Was macht ein Hollywood-Star während der Pandemie? - Natürlich die eigenen Memoiren veröffentlichen. Als zusätzliche Einnahmequelle gewissermassen sowie als Lebenszeichen, um im Trubel des Geschehens nicht unterzugehen. Soweit meine Vorurteile vor der Lektüre dieses Buches.
Sharon Stone ist für ihren hohen IQ bekannt. Daher war ich gespannt, wie jemand, der vermeintlich alles hat - Schönheit, Erfolg und Intelligenz - auf das eigene Leben zurückblickt. Insbesondere war ich gespannt auf die Nahtoderfahrung, die Stone vor einigen Jahren im Zuge einer schweren Hirnblutung, erlitten haben soll.
Das Resultat ist für meine Begriffe ernüchternd. Die Lebensbeschreibung kommt über einige Topoi nicht hinaus, etwa Stones geradezu idyllische Beziehung zu ihrer Schwester, ihren Me-Too-Erfahrungen im Showbusiness sowie die harte, von bitterer Armut geprägte Kindheit ihrer Mutter und ihrer Grossmutter. Auch die NTE enthält kaum Originelles. Das warme Licht am Ende des Tunnels, das Gefühl der Zufriedenheit und die Begegnung mit Verstorbenen sind Allerweltsmotive in der spirituellen Literatur. Ich hätte etwas mehr Tiefgang erwartet, beispielsweise eine Stellungnahme zur wissenschaftlichen Forschung rund um dieses umstrittene Phänomen, ein überraschendes Bild, eine neue Formulierung, … irgendwas noch nicht Dagewesenes.
Ich habe in diesem Buch keine neue Sharon Stone kennengelernt. Das Buch hat meine Vorurteile leider bestätigt. Ein Buch zu schreiben ist anstrengend, daher gibt es von mir drei Sterne. Gefühlt sind es jedoch eher zwei.