… dieser Anfang der Novelle lässt einen innerlich aufhorchen.
Schon die zu erwartende Ankunft des neuen Nachbarn macht die Dreizehnjährige aufmerksam – da kommt jemand Neues, jemand, der vermögender und sozial besser gestellt sein muss, als sie und ihre Mutter. Als sich der Neue nicht als alter Mann mit weissem Bart entpuppt, sondern als agiler, 25-Jähriger, ist sie “gefangen”. Sie verliebt sich, beobachtet ihn, sein Kommen und Gehen. Er seinerseits sieht sie nicht. Diese toxische einseitige Beziehung bleibt. Anscheinend demütig erträgt das Mädchen, später die junge Frau die absolute Nichtbeachtung. Wortwörtlich zum Schluss schreibt sie ihm einen Brief, den Brief, der mit Ausnahme der ersten und letzten paar Seiten das ganze Buch ausmacht.
Der Inhalt ist unglaublich dicht. Zweig vermag die Stimmungslagen der jungen Frau sehr einfühlsam aufzufangen und widerzugeben. Die Toxizität wird klar, ohne dass er sie überspitzt darstellen würde. Aus meiner Sicht eine grossartige Fähigkeit. Das Buch hat viel Tiefe und lässt einen immer wieder nachdenklich werden.