Jetzt habe ich schon wieder ein asiatisch angehauchtes Buch gelesen. Die zwei ersten waren von einem deutschen Autor, der sehr gut die Differenzen zwischen Japan und Europa aufzeigen konnte. Zwei andre von japanischen Autorinnen, die eine Art “Zauber” versprachen durchs Lesen. Fand ich nicht. Was soll zauberhaft daran sein, ein Buch zu schreiben, wo Tote an einem Kaffee- oder Esstisch in einem Restaurant unter dem Sternenhimmel erscheinen? Attestiert von sich verwandelnden Katzen? Mit Lebensweisheiten und sog. Lieblingsrezepten im Buch? Nicht meins, eher was für Kinder, nicht für Erwachsene (Europäer:innen).
In diesem Buch geht es um eine junge Frau um die 30, die ihren Karrierejob in Seoul an den Nagel hängt und in der koreanischen “Pampa” von ihren Ersparnissen ein Anwesen kauft, worauf mal ein ein Wohnhaus mit Gartenhäuschen und einer Scheune stand. Daraus macht sie eine Art Bücher-Wohlfühl-Resort: Bücher in der Küche, Bücher in den Hotelzimmern, Bücher im Laden, Bücher einfach überall und über alles, mit witzigen Ideen. Assistiert wird ihr von ihrem charmanten Cousin, einem unauffälligen Dorf-Lulatsch und der Studienkollegin ihres Cousins. Die ganze Geschichte dreht sich um Gäste mit ihren Identitäts- und Karriereproblemen und eben Yu-jin als Gastgeberin. Diese Gäste kommen, werden wie alte Bekannte aufgenommen und gehen wieder. Dazwischen wird immer wieder gegessen - ich wusste gar nicht, dass die Koreaner solche Süssschnäbel sind! - und getrunken und in den Abendhimmel geschaut. Es hat was Melancholisches an sich, nichts Zauberhaftes wie die japanischen Bücher, aber dennoch: auch diese Story wird von einem eisernen (Karriere)Korsett gehalten, wenn man zwischendurch auch meint, man könne die Schicksale der Gäste nachvollziehen. Warum am Ende die Autorin beschreiben muss, warum sie das Buch geschrieben hat, ist mir ein Rätsel.
Während ich bei den sog. Japanischen Bestsellern sofort das Bild einer naiven, verträumten, unerfahrenen Autorin vor Augen bekam, war das bei diesem Buch einer Koreanerin anders. Aber auch hier: die magische Zahl 29 bzw. 30, die eine Art Torschlusspanik bei den Asiatinnen hervorruft, hat mich nicht ganz überzeugt, wenn auch, kapitelweise, mir die Autorin “erwachsen” bzw. “erfahrener” vorkam.
Fazit: Ein Buch, wo Torschlusspanik und die Leistungsgesellschaft dominieren, und die letztere als Sieger hervorgeht. Ein schöner Romantitel, aber nichts dahinter. Was habe ich mir vorgestellt? Eine exotische Ferienlektüre. Das war’s nicht, eher ein Zeitungsartikel aus dem urbanen Korea, aus dem man eine Story gehäkelt hat. Das Gerüst blitzte blitzblank, aber es fehlte das Fundament. Bei solchen Romanen sollten aber die Namen der Protagonistin separat aufgeführt sein, denn wer kennt schon den Unterschied zwischen Di-an und Se-u? Sie sind wie Schall und Rauch, nichtssagend, eher verwirrend.
Was man von solchen asiatischen Stories mitnimmt? Die Furcht vor dem Erwachsenen-Alter 30, wo alles in den Bahnen gesetzt sein muss: Heirat, Karriere, Kinder, Familie. In diesem Roman spürte man förmlich die Atemlosigkeit der Kinder und Heranwachsenden, die auf eine Karriere gedrillt werden nach amerikanischem Vorbild. Innehalten, sich Gedanken machen, sich ausruhen, sich selbst sein - dafür scheint die (asiatische) Kultur keinen Platz zu haben. Deswegen diese sog. Bestseller, an denen ich nichts Besellerartiges finden kann.