Ein hochgelobtes Buch, das bei mir indes Unschlüssigkeit hervorrief. Die Szenerie: ein Wiedersehen mit alten Freunden aus der Uni an einem malerischen See. Anfangs überwiegt das Poetische. Die Umgebung wird detailreich beschrieben, dann, nach und nach, legt sich der Fokus mehr auf die Protagonisten und deren heutige Realitäten - oft und gern die früheren Träume evozierend. Sehnsüchte, Befindlichkeiten, die grossen Fragen rund um Sex und Zukunft: Viel passiert nicht in “Fast Abend, immer noch hell”, denn es geht mehr um das Innenleben der unterschiedlichen Charaktere als um äussere Handlungen. Und in dieser kleinen Gruppe ist ganz viel Queerness vertreten, und die will gezeigt werden.
Für mich war einiges des Guten zu viel: zu viele Fachvokabeln, die letztlich an einen Ratgeber denken liessen, zu viel Befindlichkeiten, zu viel Drama, zu ausführlich beschriebene Sexszenen, die vom wesentlichen Fokus ablenkten. Mich hat es etwas an eine ziemlich verwöhnte Gesellschaft erinnert, die elitär alles wertet, das nicht “speziell” ist. Die Suche nach dem Sinn des Lebens und sich selbst ist nachvollziehbar und durchaus wert beschrieben zu werden, aber für mich hätte es etwas weniger Dichte gebraucht und etwas mehr Gleichgewicht insgesamt.
Trotzdem: Das Buch ist lesenswert, gerade weil es ambivalente Gefühle beim Lesen auslöst. Und diese sind immer eine Diskussion wert.