Kathe Kojas Roman The Cipher erzählt von der kalten Anonymität einer desolaten urbanen Umgebung, in der leere menschliche Hüllen umherwandeln, und zeigt, wie die verschiedenen Figuren ihre Apathie bewältigen. Nicholas ergibt sich ihr bedingungslos. Nakota versauert und vergiftet ihr Umfeld. Randy versucht das Unfassbare künstlerisch zu verarbeiten, während Vanese sich trotz allem eine Art von Sittlichkeit bewahrt.
Obwohl Nakotas perfides Wesen erzählerisch viel Spielraum böte, folgen wir ausgerechnet der Sichtweise von Nicholas, der belanglosesten Figur. Doch gerade seine totale Resignation vor dem Selbst bietet den perfekten Nährboden für das Erscheinen des «Funhole» – des fleischgewordenen existenziellen Nichts, woran sich schlussendlich alle anderen messen. Nicholas selbst gleicht einer schmutzanziehenden Wollmaus, die vom Durchzug über den Fussboden getrieben wird, um schliesslich eine Symbiose mit dem Staubsauger einzugehen, während die anderen Figuren dem abwesenden Dasein des «Funhole» weiterhin Ansprüche auf Sinn und Fülle abringen wollen.
The Cipher liest sich wie eine barfüssige Pilgerfahrt über einen flachen, steinigen Pfad. Man kommt nur schleppend voran, weil der mit Bleibarren gefüllte Rucksack unerbittlich zu Boden drückt. Bei jedem Schritt bohren sich die spitzen Kiesel tiefer ins Fleisch, nachdem sie sich schon beim vorherigen Auftreten in die Fusssohlen verkrallt haben. Dennoch erzeugt Kojas Prosa einen seltsamen Sog, der unweigerlich durch diese Busse leitet – wohlwissend, dass am Ziel keine Erlösung wartet. Der blanke Horror.
Als musikalische Untermalung dienen hierbei die kosmischen Synth-Klänge des Albums Rift in Reality von Labyrinthus Stellarum; sie erzeugen die nötige Elevation zum Leseerlebnis, um psychisch nicht vollständig zu zerbersten.
Nur schade, dass die unzähligen Tippfehler – beim Apex Verlag seit Beginn programmatisch – den Lesefluss unnötig stören, was sich bei verschachtelten Satzbildungen wie hier noch verstärkt. Vor allem das ständige Verwechseln von «mit» und «mir» (die Tasten R und T liegen schliesslich nebeneinander) hätte sich durch ein Lektorat leicht verhindern lassen.