„Die grauen Wimpern des Mädchens werfen einen grauen Schatten auf ihre Wangen“, so beginnt Gabrielle Wittkops Roman „Der Nekrophile“. Der Protagonist Lucien, ein Pariser Antiquar, schildert uns seine Liebschaften mit dem Tod in Form von Tagebucheinträgen. Die Sprache korrespondiert mit seinem Beruf: archaisch und überaus sublim distinguiert. Er nutzt Totenfeiern in ganz Paris, um seine Subjekte des Begehrens „aufzureissen“. In seinen Einträgen ist er äusserst detailreich; er vergleicht etwa die Konsistenz von Leichenwasser mit Schneckenschleim oder beschreibt das anale Vergnügen als eisig frische Minze. Ohne Zweifel ist das abstossend, dennoch bereitet die Lektüre ein schuldiges Vergnügen, flankiert von einem dreckigen Schmunzeln. Erschreckend amüsant.
Während der Lektüre entsann ich mich eines längst vergessenen Liedes: „Der Mann meines Lebens“ von Schneewittchen aus dem Album „Perlen vor die Säue“, welches mir damals ähnliche Vibes wie dieser Roman bescherte.