stephiesheena
Eine gute und schwierige Frage. Ich denke es hat damit zu tun, inwiefern der Autor auch vom Märchen wirklich inspiriert wurde und auch geplant hat, es ein stückweit zu adaptieren oder es neu zu schreiben. Nur ein übernommener Name ist da wohl eher Zufall, denn meist braucht es doch ein oder zwei Schlüsselelemente oder Szenen, um das Retelling als solches zu erkennen und das passirr wohl eher weniger unbewusst.
Gleichzeitig kann es dann aber eben so weit gehen, dass es nur noch von einem Märchen inspiriert wurde, weil die Geschichte dann doch in eine komplett andere Richtig gesponnen wurde. Sara J. Maas ist mit ihrer „Reich der sieben Höfe“ so ein Beispiel. Der erste Band hat deutliche Elemente aus dem Märchen „Die Schöne und das Biest“. Die restlichen Bände gehen aber nicht mehr weiter darauf ein und haben nichts mehr mit dem Märchen gemein, weshalb sie auch nicht als typisches Retelling zählt. Es wird nur noch von „Inspired by“ geredet und auch nur beim ersten Band.
Umgekehrt habe ich auch schon gsehen, wie extreme Ähnlichkeiten unbewusst eingebaut wurden. Das Buch „Die blauen Schuhe“ von Lisa Beiersmann hat praktisch alle zentralen Elemente des Märchens „Die roten Schuhe“, inbegriffen und auch sehr ähnlich gestaltet, inklusive des praktisch gleichen Titels. Dennoch war die Autorin erstaunt, als ich sie darauf ansprach, denn sie kannte das Märchen gar nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass sie es vielleicht doch noch irgendwie unbewusst in Erinnerung gehabt hat und es einfach vergessen hat, aber dort ist es natürlich eine kleine Grauzone, auch wenn ich selbst es eindeutig als Adaption angesehen hätte.