In „Das gelbe Haus“ zeichnet Mieko Kawakami ein meisterhaftes und zugleich beklemmendes Bild der japanischen Gesellschaft abseits der glitzernden Fassaden. Im Zentrum steht die junge Hana, die in einem gelben Haus versucht, mit der exzentrischen Kimiko und anderen jungen Frauen eine Wahlfamilie aufzubauen. Doch was als hoffnungsvoller Zufluchtsort beginnt, entwickelt sich schnell zu einer schonungslosen Milieustudie über die „Working Poor“ und den moralischen Verfall durch finanzielle Not.
Kawakami beschreibt mit fast protokollartiger Präzision, wie prekäre Lebensumstände und die Gier nach schnellem Geld durch illegale Machenschaften die menschliche Psyche korrodieren lassen. Die atmosphärische Dichte und die ungeschönte Härte der Erzählung machen das Buch zu einem eindringlichen Erlebnis. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt jedoch die Figur der Kimiko, die bis zuletzt rätselhaft und schwer greifbar wirkt, sowie das sehr offene Ende, das den Leser ohne klare Auflösung mit vielen Fragen zurücklässt. Dennoch ist es ein monumentales Werk über das Überleben am Rande der Gesellschaft.