Der Roman ist in drei Teilen aufgebaut, die jeweils aus unterschiedlichen Perspektiven und über verschiedene Zeiträume hinweg erzählt werden. Im Zentrum steht die Frage, wie wir zu den Menschen werden, die wir sind. Dabei verhandelt die Autorin grundlegende ethische Überlegungen: Darf man in die menschliche Entwicklung eingreifen, selbst wenn dies dem vermeintlichen Wohl dient – etwa um das Leben zu verlängern oder Erbkrankheiten zu verhindern? Vor allem in den letzten Kapiteln des Buches rückt diese Frage stärker in den Fokus, was mich mit dem Roman versöhnlicher zurückgelassen hat.
Beim Lesen habe ich oft empfunden, dass die Autorin zu ausführlich erzählt und viele Szenen stark ausschmückt – fast im Stil eines Hollywood-Films. Manchmal ist auch voraussehbar, was geschehen wird. Dadurch bleibt für mich wenig Raum, selbst mitzudenken oder zwischen den Zeilen zu lesen. In diesem Sinne wirkt der Titel Real Americans nicht nur thematisch, sondern auch stilistisch programmatisch: Die Erzählweise erscheint an manchen Stellen bewusst „really American“. Mir ist dabei durchaus bewusst, dass ich damit selbst ein kulturelles Vorurteil aufgreife – nämlich die Vorstellung davon, was „wirklich amerikanisch“ sei.
Besonders fesselnd fand ich hingegen die Passagen über die Kulturrevolution in China und die brutalen Machenschaften der Rotarmisten. Diese historischen Rückblenden sind eindringlich und machen die Motive einer der Protagonistinnen nachvollziehbar. Gleichzeitig zeigen sie, welchen Einfluss das Umfeld – politisches System, Familie, Erziehung – auf die Entwicklung eines Menschen hat und welche Resilienzfaktoren helfen können, unter extremen Umständen nicht zu zerbrechen.
Ich habe das Buch im Rahmen von Bookcircle gelesen.