Gym, der Roman von Verena Kessler bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Coming-of-Age, Psychogramm und gesellschaftlicher Beobachtung. Im Zentrum steht eine junge Frau, deren Leidenschaft fürs Fitnessstudio langsam in eine gefährliche Abhängigkeit kippt.
Der Roman verfolgt die Hauptfigur in ihrem intensiven Trainingsalltag und zeigt, wie sich Routine, Ehrgeiz und Anerkennungsdruck ineinander verkeilen. Kessler schafft eine Atmosphäre, die zugleich rasant und bedrückend wirkt. Der Fokus liegt weniger auf einem äusseren Plot als auf dem inneren Strudel einer Sportsucht – ohne dabei zentrale Wendungen vorwegzunehmen.
Besonders eindrücklich empfand ich die Beschreibungen der körperlichen Belastung, der Gruppendynamiken im Gym und der Beschäftigung mit Steroiden. Als jemand, der selbst seit Jahren trainiert, wirkten viele Szenen für mich erstaunlich realistisch. Die Sprache ist schnell, direkt und sehr zugänglich, was gut zur Thematik passt. Gleichzeitig bleiben die Motive der Protagonistin stellenweise diffus; ich hätte mir mehr Einblick in ihre inneren Beweggründe gewünscht, um ihr Handeln vollumfänglich zu verstehen. Auch das Ende hinterliess bei mir ein eher unbefriedigtes Gefühl, weil sich nicht alles einlöst, was die Geschichte zuvor aufgebaut hat.
Insgesamt ist Gym ein temporeicher, gut lesbarer Roman, der wichtige Fragen rund um Körperbilder, Leistungsdruck und Abhängigkeit stellt. Empfehlen würde ich das Buch besonders Leserinnen und Lesern, die sich für psychologisch geprägte Geschichten und zeitgenössische Themen interessieren – sowie allen, die das Fitnessstudio aus eigener Erfahrung kennen.