Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar erhalten und schon der Klappentext hat mich sofort angesprochen. Drei junge Frauen. Ein Schwur. Eine Gesellschaft, die keine Abweichung duldet. Regency, starke Frauen, ein Kampf um Selbstbestimmung, klingt nach einer Story nach meinem Geschmack.
Im Mittelpunkt steht Lady Amelia Fairmere, die aus Liebe heiraten will, oder gar nicht. Doch ihr Vater sieht in ihrer Ehe die letzte Möglichkeit, den finanziellen Ruin der Familie abzuwenden. Der für sie bestimmte Ehemann: Sir Cedric Longford. Nach außen makellos, ehrgeizig, gesellschaftlich aufstrebend. Doch je näher man hinsieht, desto deutlicher werden seine wahren Absichten.
Nathaniel Ashbury, Earl of Waverly, gilt als Inbegriff von Pflichtbewusstsein und Zurückhaltung. Gefühle ordnet er konsequent der Vernunft unter bis Amelia sein sorgfältig aufgebautes Weltbild ins Wanken bringt. Zwischen Bällen, Gesprächen voller Zwischentöne und heimlichen Begegnungen wächst eine Verbindung, die beide vor Entscheidungen stellt, die weit über gesellschaftliche Erwartungen hinausgehen.
Ich habe Amelia und Nathaniel sehr gemocht. Beide sind vielschichtig, glaubwürdig und in ihren inneren Konflikten greifbar dargestellt. Amelia ist keine naive Rebellin, sondern eine junge Frau, die verzweifelt versucht, in einem System zu überleben, das sie zum Besitz degradiert. Und genau das hat mich wütend gemacht: diese historische Realität, in der Frauen kaum Rechte hatten, wirtschaftlich abhängig waren und im Grunde als schmückendes Beiwerk galten. Diese Ohnmacht, diese Ungerechtigkeit… Ich habe sie in jeder Szene gespürt.
Nathaniel mochte ich besonders, weil er zeigt, dass nicht alle Männer dieser Zeit gleich waren. Er steht für Anstand, für Respekt, auch wenn er selbst lange zwischen Pflicht und Herz zerrieben wird. Und Sir Longford? Den habe ich regelrecht verabscheut. Aber genau das macht ihn zu einer starken Figur. Er steht sinnbildlich für eine Denkweise, die damals leider Normalität war: Stolz über Moral, Macht über Mitgefühl.
Die Atmosphäre ist dicht und stimmig. Prunkvolle Bälle, gesellschaftliche Konventionen, unterschwellige Spannungen. Man taucht vollkommen in diese Welt ein. Der Schreibstil ist flüssig, angenehm und durch die eher kurzen Kapitel sehr dynamisch. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen.
Wenn ich kritisch etwas anmerken müsste, dann vielleicht, dass manche Konflikte vorhersehbar sind und sich einige gesellschaftliche Spannungen stark auf einen zentralen Antagonisten bündeln. Zudem hätte ich mir stellenweise noch mehr Tiefe bei einzelnen Nebenfiguren gewünscht. Besonders im Hinblick auf die anderen Ladies, deren Potenzial man bereits spürt. Aber das ändert nichts daran, dass mich dieses Buch emotional abgeholt hat.
Fazit:
„Der Schwur der Regency-Ladies“ ist ein kraftvoller Auftakt über Freundschaft, Loyalität und weibliche Selbstbestimmung in einer Zeit, die Frauen kaum Raum ließ. Wütend machend, berührend und gleichzeitig hoffnungsvoll. Ich freue mich sehr auf die Fortsetzung dieser Trilogie.