«Le restaurant des recettes oubliées. À la carte» von Hisashi Kashiwai war mein erstes Buch eines japanischen Autors. Da ich in letzter Zeit in Buchhandlungen vermehrt Übersetzungen japanischer Literatur sehe, wollte ich ebenfalls eines lesen. Leider hat mich dieses Buch überhaupt nicht überzeugt. Ich habe es dennoch vollständig gelesen, in der Hoffnung, dass es sich noch steigern würde. Das war leider nicht der Fall.
Die Grundidee, dass ein Koch und seine Tochter für ihre Kundinnen und Kunden vergessene Rezepte suchen, fand ich zunächst sehr interessant. Das Buch ist jedoch so aufgebaut, dass insgesamt sechs Personen nacheinander das Restaurant besuchen. Jedes erste Kapitel widmet sich jeweils einem dieser Besuche: Die Gäste essen im Restaurant und erzählen anschliessend, nach welchem Rezept sie suchen lassen möchten. Danach folgt ein zweiwöchiger Zeitsprung, und im zweiten Kapitel kehrt die jeweilige Person zurück, probiert das gefundene Rezept und entscheidet, ob es das Gesuchte ist oder nicht.
Über den eigentlichen Suchprozess erfährt man dabei kaum etwas. Auch der Koch und seine Tochter bleiben sehr im Hintergrund und werden nur oberflächlich dargestellt. Die Figuren wirken insgesamt flach und wenig ausgearbeitet. Am Ende fühlten sich die sechs Geschichten für mich sehr ähnlich an, mit nur geringer Variation. Das empfand ich persönlich als langweilig.
Zudem konnte ich keinen Zugang zu den ausführlichen Essensbeschreibungen finden. Möglicherweise liegt das daran, dass ich mich mit der japanischen Küche zu wenig auskenne. Für mich fiel das Buch auch nicht wirklich in den Bereich «cozy». Das hängt vermutlich ebenfalls damit zusammen, dass ich insgesamt keinen emotionalen Zugang zur Geschichte gefunden habe.
Fazit:
Für mich war «Le restaurant des recettes oubliées. À la carte» insgesamt eine Enttäuschung. Die Idee hätte grosses Potenzial gehabt, wurde meiner Meinung nach jedoch zu repetitiv und oberflächlich umgesetzt. Die fehlende Tiefe der Figuren, der kaum beleuchtete Suchprozess der Rezepte und die sehr ähnliche Struktur der einzelnen Kapitel führten dazu, dass mich das Buch zunehmend ermüdete. Trotz der ruhigen Atmosphäre und des kulinarischen Fokus konnte ich weder eine emotionale Bindung zur Geschichte noch zu den Figuren aufbauen. Dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass das Buch für Leserinnen und Leser, die die japanische Küche kennen, schätzen und sich gerne auf detailreiche Essensbeschreibungen einlassen, ein kleiner Schatz sein könnte.