Die Geschichtensammlerin von Evi Woods ist genau das, was man sich ihr erhofft – und vielleicht sogar noch ein wenig mehr. Ein liebevolles Buch zum Wohlfühlen, durchzogen von Magie und einer tiefen Zuneigung zu Geschichten und dem Erzählen selbst. Auch äusserlich ist es wieder ein kleines Highlight: Cover und Farbschnitt laden dazu ein, dieses Buch nicht nur zu lesen, sondern zu behalten.
Inhaltlich entfaltet sich eine warme, berührende Geschichte, die durch zwei Erzählstränge auf unterschiedlichen Zeitebenen an Tiefe gewinnt. Diese Struktur ist sehr stimmig und verleiht dem Roman eine besondere Ruhe und zugleich eine emotionale Spannung. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander, spiegeln sich und zeigen, wie Geschichten Menschen über Zeit hinweg verbinden können.
Besonders schön ist, dass hier nicht nur das Thema Geschichten im Mittelpunkt steht, sondern auch das Zuhören, Erinnern und Weitergeben. Die Figuren sind fein gezeichnet, nahbar und voller Herz. Man fühlt sich ihnen schnell verbunden und lässt sich gern von ihren Wegen tragen. Die leise Magie, die Woods so gut beherrscht, wirkt hier selbstverständlich und unaufdringlich.
Im Gegensatz zu manch anderem Wohlfühlroman stimmt in diesem Buch auch das Tempo. Die Geschichte zieht einen hinein, ohne zu hetzen, und entwickelt einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Man liest weiter, weil man möchte, nicht weil man muss – und legt das Buch ungern aus der Hand.
Die Geschichtensammlerin ist ein rundum gelungenes Wohlfühlbuch. Warm, klug und voller Liebe zu Geschichten beweist Evi Woods hier einmal mehr, wie kraftvoll sanfte Erzählungen sein können. Ein Roman, der einlädt, zu bleiben – und der lange nachklingt.