“Alchemised” von SenLinYu ist wohl eines der meist gehypten Büchern dieses Jahres. Wenn man bedenkt, dass es auf einer Fanfiction einer der beliebtesten Fantasyreihe basiert, erstaunt dies wohl nicht.
So musste auch ich mir unbedingt ein Bild davon machen und da 1200 Seiten kein Pappenstiel sind, habe ich zu einem Zeitpunkt mit lesen begonnen, zu dem ich viel Zeit hatte. Es sollte mir erst ruhige Abende und danach eine mehrstündige Zugfahrt versüssen – wobei versüssen definitiv der falsche Ausdruck ist.
Ja, ich muss zugeben, dass ich nicht oft Dark Fantasy lese, doch dass ich mich mit dem Einstieg dermassen schwer tun würde, hätte ich nie gedacht. Ich glaube, ich habe noch nie so lange an einem Buch gelesen.
SenLinYu entführt in eine düstere, brutale, von Krieg und Magie gezeichnete Welt, die definitiv eine Herausforderung ist. Mit dem komplexen System und den vielen fremden Begriffen war ich anfangs sogar überfordert. Ich kämpfte mich von Seite zu Seite, von Kapitel zu Kapitel und trotzdem habe ich nie daran gedacht, das Buch abzubrechen. Denn obwohl es grausam und mühselig zu lesen war, übte es doch eine Faszination auf mich aus.
Helena ist eine vielschichtige Protagonistin. Hochintelligent, stur und getrieben von Wissensdurst, lebt sie lange im Schatten anderer und wird zunehmend isoliert. Ihre alchemistischen Fähigkeiten und ihre Vivimantie machen sie unentbehrlich, aber auch verdächtig. Ihre Entwicklung gehört zu den eindrücklichsten Aspekten des Buches.
Nach einem langen, bewusst verwirrenden Einstieg springt die Handlung mehrere Jahre zurück. Erst dort entfaltet die Geschichte ihre volle Wucht, birgt einige Aha-Momente und unerwartete Wendungen.
Die Welt von «Alchemised» ist erbarmungslos. Nekromantie, Leibeigenschaft, Kriegsverbrechen und körperliches wie seelisches Leid werden sehr eindringlich geschildert. Das ist stellenweise schwer auszuhalten, aber genau darin liegt auch die Stärke des Romans. SenLinYu beschönigt nichts und zeigt, wie Krieg Menschen verändert, zerbricht und zu Entscheidungen zwingt, die keine guten Optionen mehr kennen.
Der Schreibstil ist poetisch, dicht und einnehmend. Trotz der enormen Länge gibt es nur wenige Längen, vorausgesetzt man lässt sich auf das Tempo und die komplexe Struktur ein. Alchemised ist kein Buch für zwischendurch, sondern eine intensive Leseerfahrung, die Zeit, Geduld und emotionale Bereitschaft verlangt, dafür aber lange nachhallt.
𝐇ä𝐭𝐭𝐞 «𝐀𝐥𝐜𝐡𝐞𝐦𝐢𝐬𝐞𝐝» 𝐰𝐢𝐫𝐤𝐥𝐢𝐜𝐡 𝟏𝟐𝟎𝟎 𝐒𝐞𝐢𝐭𝐞𝐧 𝐠𝐞𝐛𝐫𝐚𝐮𝐜𝐡𝐭? Meiner Meinung nach nicht. Es gab einige Wiederholungen und Längen.
𝐖ü𝐫𝐝𝐞 𝐢𝐜𝐡 «𝐀𝐥𝐜𝐡𝐞𝐦𝐢𝐬𝐞𝐝» 𝐧𝐨𝐜𝐡𝐦𝐚𝐥𝐬 𝐥𝐞𝐬𝐞𝐧? Definitiv ja. Auch wenn es viel Zeit und Geduld braucht, ist es eine intensive Leseerfahrung.