Der Name Amélie Nothomb ist für mich zum Garant für hervorragende Bücher geworden und mit diesem Buch hat sich das einmal mehr bestätigt. Tief berührt hat mich, wie Nothomb das Leben ihres Vaters beschreibt und überrascht, weil ich merke, wie sie durchaus die Art des Schreibens ändern kann, ohne dass die Sprache die geringste Einbusse nehmen würde.
Der belgische Konsul, das ist der Ich-Erzähler und Vater der Autorin, der als Konsul im Kongo tätig ist - 28 Jahre jung, verheiratet, ein kleines Kind. Im Jahr 1964 muss er um das Leben von Hunderten Geiseln kämpfen, mit diplomatischem Geschick. Er muss damit rechnen, sein Leben zu verlieren.
Nach einer Passage, welche die Situation im 1964 schildert, geht er zurück auf sein Leben, geboren zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Als er acht Monate alt war, fiel sein Vater. Seine Mutter war dem nicht gewachsen und gab den kleinen Patrick zu ihren Eltern. Sein Aufwachsen war alles andere als gewöhnlich, die Erzählung führt durch seine Kindheit, in der es ihm nicht an grossmütterlicher Zuwendung gemangelt hat, in der ihm aber vor allem der Vater schmerzlich gefehlt hat. Er lernt auch die Grosseltern väterlicherseits kennen, eine spezielle Familie, verarmt, aber von hohem Stand mit vielen Kindern, die teils nicht oder kaum älter sind als er. Weiter geht die Erzählung: seine Ausbildung, seine Annäherungen an die Mädchen, die erste und grosse Liebe, Heirat, Familiengründung, bis man wieder im Kongo angelangt ist.
Es ist eine Leichtigkeit in diesem Buch, ein herrlicher Humor, eine sanfte Tragik - das lässt einen nicht los und man möchte einfach immer nur weiterlesen. Mir kam es vor wie eine grosse Liebeserklärung an den eigenen Vater. Absolut lesenswert!
Woher Amélie Nothomb all die Details zur Lebensgeschichte ihres Vaters hat, ist mir nicht bekannt. Ihr Vater hat selbst ein Buch veröffentlicht: “Dans Stanleyville”. Möglicherweise hat sie da eine Quelle gefunden, abgesehen von dem, was man üblicherweise von Eltern erzählt bekommt.