Ich habe dieses Buch im Rahmen einer Leserunde des Book Circles gelesen. Es ist ein Fantasieroman und wenn dies nicht zwingend mein Genre ist, hat es mich von Anbeginn an gepackt. Es ist in Kapiteln unterteilt, wobei man bei jedem Kapitel die ‘Zeitzone’ wechselt. Mal ist man ‘irgendwo im Zeitraum’ und dann wiederum im ‘realen Leben in den 60er Jahren’. Diese Wechsel sind nicht unangenehm und man switcht ganz natürlich von einer zur anderen Zeit und lernt dabei die Figuren immer besser kennen.
Lisavet, die Hauptfigur, wird in der Kristallnacht von ihrem Vater im Zeitraum versteckt. Zuerst sehr subtil und später immer voraussehbarer wird ihre Figur im Buch dargestellt. Bei Amelia ist es schon offensichtlicher wer sie ist und welche Rolle sie zu spielen hat. Zu Beginn, fand ich sie eine sehr starke Figur mit vielen Gefühlen und Ängsten.
Ein weiterer Erzählstrang sind die ‘Zeithüter’, die Erinnerungen löschen. Dies sind zu Beginn die Nazis, danach die Russen und Amerikaner. Diesen Aspekt könnte man auch politisch betrachten, wie Erinnerungen manipuliert werden, Fakenews etc.. Das Fazit für mich am Ende war, dass man sich Sorge um Manipulationen unserer Erinnerungen (vor allem auch weltpolitisch) machen muss. Auch dachte ich über KI nach, das unser Wissen und Denken, meiner Ansicht nach, verfälschen kann und nicht zwingend zum Positiven. KI und die Manipulationen von heutigen Politikern und Despoten sind eine Gefahr. Wer kann dies stoppen?
Die ersten zwei Drittel des Buches waren flüssig zu lesen und meiner Meinung nach in sich schlüssig und auch spannend. Leider flachte dieser Spannungsbogen im letzten Drittel massiv ab. Es kam mir so vor, wie die Autorin versuchte die Geschichte zu einem Schluss zu bringen, damit am Ende alles ‘Friede, Freude, Eierkuchen’ ist. Die zu Beginn starken Charakteren verloren an Kraft, Witz und Stärke. Ebenso schien mir dieser Teil nicht immer in sich schlüssig zu sein. Eigentlich schade, denn das Buch begann stark.