… schreibt Louis Aragon, der französische Dichter und Schriftsteller, der auch das Nachwort zum Buch geschrieben hat.
Diese keine hundert Seiten umfassende Erzählung nimmt einen mit auf die Entstehung einer grossen Liebe, erzählt in einer Sprache, die einen die Menschen, die Umgebung und die Umstände, in denen sie leben fühlen und bildlich sich vorstellen lässt. Die Artikelbeschreibung trifft es meiner Meinung nach überhaupt nicht. Es geht um viel mehr, hat mehr Tiefe.
Dshamilja lebt mit der Familie ihres Ehemannes, der, wie auch andere männliche Angehörige, in den Krieg eingezogen wurde. Protagonist und Ich-Erzähler ist der jüngere, ca. 15-jährige Bruder des Ehemannes, der Schwager also von Dshamilja. Er arbeitet in der Kolchose. Die Geschichte spielt in Kirgisien, zu einer Zeit, in der man noch mit Pferd und Wagen unterwegs war, unmotorisiert. In einem kleinen Dorf, umgeben von der Steppe, in der Nähe eines Flusses und unweit von Kasachstan.
Dshamilja fällt durch ihren selbstbewussten Stolz und einen gewissen Spott auf. Die Liebe zwischen ihr und Daijar entwickelt sich auf eine stille Weise, es ist eine Liebe - eine Liebe, welche durch die Seele angesprochen wird, die Seele, die sich dann zeigen kann, wenn sie Raum erhalten kann.
Das Nachwort von Louis Aragon, welches ebenfalls ein Lesegenuss ist, lässt noch einmal Rückschau nehmen auf das Buch. Am Schluss schreibt er treffend:
Es gibt Leute, die treiben die Wissenschaft auf einen Punkt, wo sie nur noch ein Spiel ist. Es gibt Leute, die brauchen ihre ganze Kraft auf, nur um sich nicht ähnlich zu sehen, wenn sie vor dem Spiegel stehen … Und dann gibt es den Fluss Kurkurëu, zwischen China und Tadschikistan, einen Jungen, der dreissig Jahre früher ein Dshigit (Anm. Junger Bursche) wie alle anderen geworden wäre, er schaut uns an und spricht, und man will nur noch schweigen und zuhören.