Valentin Groebner analysiert das Reiseverhalten der Menschen, welche die finanziellen Möglichkeiten haben, auf eine schonungslose Art. Dabei macht er es mit seinem träfen Humor und der Wortgewandtheit, die er schon mit dem Titel beweist, zu einem tollen Leseerlebnis - einem, das einen auch zum Nachdenken und Überdenken bringen kann.
Die Touristen suchen die Weite, die Abgeschiedenheit der Berge, die Unendlichkeit des Meeres, die Sandstrände, das Schöne, Sehnsuchtsorte, Höhepunkte, Kulturstätten, Erlebnisse - und treffen dabei vor allem auf ihresgleichen in grossen Massen. Fotos, Selfies, sich Auslassen über Unzulänglichkeiten, Staus, Stress am Flughafen, an den Bahnhöfen, an dein Eingängen zu Museen, Wanderungen in schieren “Karawanen” durch berühmte Schluchten …
Das Reisen hat man sich schliesslich verdient, gönnt es sich - möglichst oft, solange man kann.
Groebner schreibt aus eigener Erfahrung, beispielsweise hat er Beobachtungen auf Radtouren, auch auf sehr langen Touren gesammelt und schreibt seine Gedanken zu den Beobachtungen nieder. Einen vom Umfang her minimalen Beitrag widmet er dem hohen CO2-Ausstoss, den der Tourismus verursacht und dem enormen Energie- und Wasserverbrauch, der einzig für die Herstellung des künstlichen Schnees mit den Kanonen verwendet wird.
In den Schlössern und schicken Hotels gibt es sie (Anm. die Leere)als Luxus, mit den geräumigen Zimmern, ausladenden Speisesälen und ganz viel leerem Platz um einen herum. Leere ist Antrieb. Leere ist Blendung. Und Leere ist Fülle. Aber nur für mich - und nicht für die Leute, die in ihr Leben und arbeiten.
Mit seinem Schlusskapitel “Ankommen” schliesst er den Kreis um “Reisen zum Vergnügen”:
Der Wunsch nach dem Reisen ins Vergnügen als Entkommen, habe ich in Griechenland und auf Sri Lanka gelernt, in Savoyen, an der Atlantikküste, im Burgund und im Kanton Uri, verwandelt sich sehr rasch in eine Falle. Dort findet man alles mögliche Interessante, aber gewöhnlich nicht das, was man sich so sehr gewünscht hat und weswegen man aufgebrochen ist.
Und der einsame Ort, an dem alles stimmt, die idyllische Leere, die unberührte Landschaft, die Oase? Den gibt es. Man findet ihn aber erst dann, wenn man aufhört, danach zu suchen.