Der Titel wirkt ein wenig kitschig, der Klappetext auch, aber Ulla Hahns Buch ist hinreissend. Hilla Palm wächst in einem kleinen Dorf auf, in einer Arbeitergegend im Ruhrpott in Deutschland. Ihre Familie schätzt Religion und Fleiss, Extravaganzen werden nicht verziehen, Bildung braucht man nicht, zumindest nur so viel, um halt endlich auch Geld verdienen zu können. Kinder werden nicht als Persönlichkeiten mit Bedürfnissen wahrgenommen, bzw. sie sollen zufrieden sein, wenn sie satt sind, ein Dach überm Kopf haben und saubere Kleidung. Hilla weiss es nicht, sie ahnt nur, dass es noch etwas anderes gibt, nicht die bunte verbotene Grosstadtwelt, sondern eine geistige Ebene. Sie will mehr lernen, sie ist neugierig und wissensdurstig. Ihre Eltern verstehen nicht, wie Hilla weiterhin zur Schule gehen möchte und sind erbost, dass sie nicht zum gemeinsamen Familieneinkommen beitragen will. Ein ganz grosser Roman, der die Fünfzigerjahre (und die Rolle der Frauen, bzw. der Mädchen darin) glasklar einfängt. Man hätte die Gesichte dieser jungen Frau sehr kitschig erzählen können, aber in diese Falle tappt Hahn nicht, sie geht sehr behutsam damit um. Ganz, ganz grosses Kino!