Der letzte Tag des Fährmanns ist kein Buch, das man wegen der Handlung liest. Denn die bleibt über weite Strecken ruhig, fast unspektakulär. Die Fähre fährt, Menschen kommen und gehen, ein Tag vergeht. Und genau darin liegt die große Stärke dieses Romans.
Die Sprache ist leise und fließend, sie gleitet dahin wie die Fähre selbst. Man passt sich beim Lesen automatisch an dieses Tempo an, wird ruhiger, aufmerksamer. Selbst tragische Geschichten – Tod, Verlust, zerbrochene Leben – werden ohne Drama erzählt, ganz selbstverständlich, fast beiläufig. Nicht, weil sie unwichtig wären, sondern weil sie zum Leben dazugehören.
Die Geschichten der Fahrgäste, die Erinnerungen an Familie, Kinder, die ihr eigenes Leben führen, der Tod der Frau, die tragische Geschichte des Bruders – all das fügt sich in einen gleichmäßigen Erzählstrom. Das Buch lebt aber nicht von diesen einzelnen Geschichten. Es lebt von seiner Stimmung. Von diesem stetigen Fließen, das einen ganz langsam hineinzieht, ohne Druck, ohne große Effekte. Am Ende findet der Roman einen stillen, sehr passenden Abschluss.
Zurück bleibt eine leichte Melancholie und das Bedürfnis, über das eigene Leben nachzudenken.
Für mich ist Der letzte Tag des Fährmanns ein großartiges Buch – leise, klug und lange nachwirkend.