Ich bin nach der Hälfte ausgestiegen. Das sage ich gleich zu Beginn – diese Rezension ist keine umfassende, sondern eine persönliche. Es gab viele gute Gründe, weiterzulesen: Kaveh Akbars Sprache ist kraftvoll, manchmal sogar poetisch. Einzelne Sätze haben mich innehalten lassen, wie dieser:
„Der Unterschied zwischen nicht mehr leben wollen und sterben wollen.“
Auch die Rückblenden – vor allem zu seiner Mutter, seinem Onkel oder Vater – habe ich als stark empfunden. Sie lesen sich fast wie eigenständige Erzählungen. Sie sind ruhig, traurig, oft berührend, und Akbar zeigt hier, dass er erzählen kann, wenn er die Selbstinszenierung verlässt.
Doch genau da liegt mein Problem: die Gegenwartshandlung um Cyrus. Er ist süchtig, trinkt, konsumiert alles, was er kriegt – und dennoch ist er brillant, beliebt, unwiderstehlich. Alle lieben ihn, ob Männer oder Frauen, arm oder reich. Es ist, als würde die Welt sich um ihn drehen, ohne dass er je wirklich auf andere eingeht. Für mich wirkte das zunehmend unecht, nicht authentisch – als würde jemand eine Rolle spielen, statt wirklich zu leben.
Cyrus bleibt in seiner Selbstdarstellung gefangen – und alle anderen Figuren scheinen nur da zu sein, um ihn zu spiegeln. Die Geschichte verliert sich in Fragmenten und Nebensträngen, oft elegant, aber ohne echten Zusammenhang. Irgendwann hatte ich das Gefühl, ich lese keine Geschichte, sondern ein Ego-Dokument mit literarischem Anstrich.
Vielleicht ist das Absicht. Vielleicht ist das genau die Form, die Akbar wollte. Aber für mich – als Leser, der sich berühren lassen will – hat es nicht gereicht. Ich wünsche dem Buch weiterhin viele Leser*innen. Ich gehöre nicht dazu.