Eric Ambler gehört zu jener Generation britischer Autoren, die noch echte Geschichten zu erzählen wussten – vielleicht, weil sie selbst ein bewegtes Leben führten. In Topkapi (ursprünglich The Light of Day) erzählt er die Geschichte des Journalisten und Gelegenheitsgauners Arthur Abdel Simpson, eines durch und durch unsympathischen, aber faszinierenden Antihelden.
Als Simpson in Athen versucht, einen vermeintlichen Touristen auszurauben, wird er selbst Opfer einer Erpressung und gerät in einen Juwelenraub in Istanbul. Zwischen Gaunern, Geheimdiensten und Museumsplänen spielt er bald widerwillig Doppelagent – mit allen klassischen Zutaten des britischen Spionageromans: trockener Humor, Ironie und elegante Sprache.
Die Handlung entfaltet sich ruhig, fast beschaulich, doch gerade darin liegt ihr Reiz. Ambler verzichtet auf Blutvergiessen und setzt stattdessen auf Spannung durch Charakter, Intrige und Atmosphäre. Besonders die komischen Momente, wenn Simpson verzweifelt versucht, wie ein echter Agent zu handeln, machen den Roman so lesenswert.
An den Film kann ich mich nicht mehr so genau erinnern – doch das Bild von Peter Ustinov als linkischem, stets leicht verschwitztem Simpson ist mir bis heute lebhaft im Gedächtnis. Eine absolut fantastische Besetzung für diese Rolle!
Topkapi ist kein moderner Actionthriller, sondern ein feiner, humorvoller Krimi alter Schule – charmant, klug und voller britischer Selbstironie. Für Istanbul-Liebhaberinnen und -Liebhaber sowie Freundinnen und Freunde klassischer Spannungsliteratur ein kleines Vergnügen.