(Inhalt vgl. Cover)
Das Cover gefällt mir gut, es passt zum ruhigen und bildhaften, unverschnörkelten sowie poetischen Schreibstil des Autors.
- Ich rannte hinterher wie verrückt und schnappte ihn (Anm. einen Dinar) schliesslich wie ein Reiher den Fisch.
- Ich leide unter Schlafmangel. Mir ist, als würde ich einen Berg auf dem Kopf tragen und gleichzeitig versuchen, ihn zu besteigen.
- Warum die Wüste, Mama? fragte Tamar (die Schwester). Weil sie klar ist. Und weil sie manchmal so ist wie wir: scheinbar leer und doch voller Leben.
- Der Schmerz verschwindet nicht. Aber er lernt, sich hinter einem Lächeln zu verstecken.
- Er wünschte sich, ein Fisch zu sein. “Fische weinen nicht”, hatte ihm seine Mutter einmal gesagt.
- In manchen Gesprächen fühlt er sich wie ein Schauspieler, der in einem Stück zwei verschiedene Rollen übernehmen muss und den Gang zur Garderobe benötigt, um zu verstehen, was der Kostümwechsel bedeutet.
Etwas anspruchsvoll waren die vielen Erzählstränge. Hilfreich in der Orientierung dabei war, dass die Einträge des Notizbuches von Gadi’s Vater in kursiver Schrift dargestellt waren.
Inhaltlich war ich insbesondere überrascht vom geschichtlichen Hintergrund des Bagdad vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Bewegt hat mich zu erfahren, dass auch im Irak die Juden vertrieben wurden. Interessant waren die Schilderungen der in Bagdad zurückgebliebenen Jüdin Myra, der 90jährigen Frau des Onkels von Gadi.
Der Hauptprotagonist Gadi, der wider Willen nach Bagdad gereist ist, um seinem Vater den letzten Willen zu erfüllen, war für mich nicht fassbar. Ich hätte gerne mehr über seine Gefühle und Gedanken erfahren, welche er beim Lesen der Notizen seines Vaters gehabt hat. Hat er Verständnis aufbringen können für das Verhalten seines Vaters? Mit welchen Gefühlen kehrt er nach dem kurzen Aufenthalt in Bagdad nach Zürich zurück? Wollte der Autor seinen Fokus auf historische Gegebenheiten legen und weniger auf die Beziehung Vater/Sohn?