Eine Familientragödie, die Vater Theo auch nach all den Jahren noch beschäftigt. Eine True Crime Podcasterin, die den Cold Case nochmal neu aufrollt. Und eine neue Spur, die eine Kettenreaktion auslöst…
Nachdem mich “Liebes Kind” von Romy Hausmann komplett überzeugen konnte, musste ich natürlich direkt zu ihrem neuen Thriller greifen. Diesen würde ich tatsächlich fast schon als Spannungsroman einordnen, da wir hier zwar einerseits einen Cold Case haben, der viel Raum einnimmt. Andererseits steht hier ganz klar der Protagonist Theo im Zentrum. Theo, der gegen seine Demenz ankämpft und die Hoffnung nie aufgegeben hat, dass seine verschwundene Tochter noch leben könnte. Die Kapitel aus Theos Sicht sind mitreissend, berührend, teils chaotisch und zeigen eindrücklich auf, wie seine Krankheit immer mehr Einfluss nimmt. Romy Hausmann schreibt im Nachwort, dass Theo in ihren Augen eine der besten Figuren sei, die sie je geschrieben habe. Diese Aussage kann ich in der Hinsicht unterschreiben, dass er sehr authentisch und vielschichtig wirkt. Die Podcasterin Liv, welche ebenfalls viel Bühnenzeit bekommt, bleibt dagegen flacher. Dies hat mich allerdings nicht gestört, ist mir aber im direkten Vergleich zu Theos Figur aufgefallen.
Handlungstechnisch starten wir sehr rasant und spannend in die Geschichte. Ereignisse überschlagen sich, neue Charaktere betreten die Bühne und viele Fragen sind in meinem Kopf aufgepoppt. Leider nimmt der Spannungsbogen zwischenzeitlich etwas ab. Zwar bekommt dadurch Theos Kampf gegen die Demenz mehr Raum, dennoch hätte ich mir ab und an etwas mehr Tempo gewünscht. Das Ende war allerdings wieder wunderbar unvorhersehbar und hat sich rund angefühlt.
Insgesamt fand ich “Himmelerdenblau” schwächer und weniger packend als “Liebes Kind” was den Spannungsgehalt der Geschichte anging. Richtet man den Fokus aber auf Charakterzeichnungen und -entwicklungen, so hat der Thriller in dieser Hinsicht viel zu bieten. Ich kann mir daher auch vorstellen, dass sich die Geschichte gut eignet, um ins Genre zu starten oder auch für Lesende, die gerne zu Romanen greifen und etwas Spannungsgeladenes mit Tiefe haben möchten. “Himmelerdenblau” war nicht ganz das, was ich erwartet hatte, bringt aber dennoch viele Stärken mit.