M. Kureyshi beschreibt hauptsächlich in kürzeren oder längeren Episoden den Alltag, das Beziehungsnetz der Familie einer Jugendfreundin Sophie der namenlosen Ich-Erzählerin sowie deren Familie.
Die Ich-Erzählerin betreut und unterstützt Lili, die Mutter von Klara und Grossmutter von Sophie. Klara bezahlt sie hierfür, da Lili als etwas schwierig gilt. Daneben ist sie oft mit Eric, dem zeitweise altklugen Sohn von Sophie zusammen. Sie bringt diesen zur Schule, ins Bett, verbringt die Nachmittage mit ihm, zuweilen mit ihm bei Lili und zuweilen zusammen mit ihm wie Sophie. Sophie und Eric leben getrennt von deren Mutter Klara, da Klara Vorbehalte gegenüber der Ich-Erzählerin hatte. Sie leben in zwei untereinander liegenden Wohnungen. Die eine hauptsächlich beansprucht von Sophie und Eric und die andere von der Ich-Erzählerin.
Beziehungen zu beschreiben, schwierige zu hinterfragen, ist das Anliegen der Autorin. Sie hat hierfür ein ausgesprochenes Flair. Diese alltäglichen Geschehnisse spielen sich nicht in chronologischer Reihenfolge ab. Sie beginnen mit der Vorausschau von Lilis Tod und endet mit deren Wunscherfüllung zur Bestattung. Überraschende Szenen wechseln; mit Lili, dann wiederum entspannte Szenen allein im Zug, im Hallenbad, am Meer mit Sophie und Eric. Die Ich-Erzählerin bemerkt währenddessen: «Ich bin ein Fisch im Glas, kann zwar schwimmen, aber nicht weit genug, bis ich vergessen haben werde, dass es mehr gibt.»
In Betrachtungen zu Lili, die zum grössten Teil ein angepasstes Leben führte, werden vergleichend Alltagsszenen von Sophie und der Ich-Erzählerin angeführt. Sophies Leben spielt sich nach einer aufgelösten Beziehung grossmehrheitlich zwischen Schulunterricht und zuhause mit Eric ab. Dieses geordnete Leben beeinträchtigt die früher mehr zwanglos gestaltete Beziehung der beiden Freundinnen. Sophie weiss nun, dass dieser Film, diese Serie anzuschauen, ohne die Ich-Erzählerin miteinzubeziehen, nichts für sie ist. Sie trifft diese Entscheidung allein. Die Ich-Erzählerin verschweigt hingegen Sophie gegenüber Informationen über Eric. Sie kleidet sich nachlässig, wenn die beiden einen freien Abend beim Auswärts-Essen in einem feinen Lokal verbringen. Sophie legt Wert auf gepflegte Kleidung in bestimmten Situationen. « Kannst du mich wenigstens heute nicht kritisieren? frage ich (Ich-Erzählerin) Ich kritisiere dich nicht sagt Sophie, ich sage ja nur. Dann herrscht eine unangenehme Stille…» Zum Schluss des Buches beraten sie einander wieder unvoreingenommen. Sie wagen einen Neuanfang.
In all diesen Beziehungen reflektiert die Ich-Erzählerin die verschiedenen kulturellen und sozialen Hintergründe, die unterschiedlichen Erziehungsstile der Charaktere. Wer Gefallen hat diese Umstände zu hinterfragen und Freude an einer bildhaften Sprache hat, für die/den ist dieses Buch sicherlich ein Lesevergnügen.