Irene Graf erzählt „e Hampfele bärndütschi Gschichte“, was so viel heisst, wie eine Handvoll berndeutsche Geschichten. Es werden die Kühe vom benachbarten Bauernhof thematisiert, das Einkaufen, das Nichtstun, neue Bekanntschaften, Weihnachten – einfach von allem ein bisschen. Komm, nimm einen Kaffee und setz Dich zu uns her! Und dann: „säg säuber!“
Erster Eindruck: Ein schlichtes Cover mit einem Kaffee und einem Herzen – gefällt mir.
Ich liebe berndeutsche Geschichten, denn ich liebe „meinen“ Dialekt: Berndeutsch. Wie bei wahrscheinlich den meisten Mundarten gibt es jedoch nicht nur DIE eine richtige Ausdrucksweise, sondern je nach Wohnort gibt es unterschiedliche Färbungen: Ein Seeländer, ein Emmentaler, ein Stadtberner oder ein Oberländer sprechen nicht alles identisch aus. Und das macht das Ganze doch auch so schön.
Das Lesen in Mundart versetzt mich immer ein wenig in ein volkstümliches Theaterstück. Jene handeln zwar meist in früheren Zeiten, aber das vorliegende Buch ist aus der heutigen Zeit.
Hier zwei Beispiele:
- „D Töibi trybt ihm dr Schweiss us. Mit hochrotem Gring stürmt er uf d Gass use. D Türe het sech no nid vom Chlupf erholt. Si chlemmt, so wi ds Glöggli chlemmt.“
- „Es isch vilech numen es Hüüchli vomne Wimpereschlag, wosi di lengscht vertrouti Umgäbig dür syni Ouge gseht. U ihre umen einisch bewusst wird, wi schöns hie eigentlech isch.“
Für mich war es das erste Buch der Autorin, aber ich habe nun bereits den Vorgängerband „säg o nüt“ ins Auge gefasst und freue mich darauf. Es waren sehr schöne Lesestunden; durch die einzelnen kleinen Geschichten lässt sich das Buch sehr gut in Etappen lesen. Sehr viele Passagen haben mich zum Schmunzeln oder auch zum Nachdenken gebracht. Zum Abschluss sage ich vielen Dank, „es isch me aus e gfröiti Sach gsi!“ 5 Sterne.