Isabel Bogdan gelingt mit Wohnverwandtschaften ein leises, eindringliches Porträt menschlicher Nähe – jenseits von Konventionen, Herkunft und familiären Bindungen. In einem Hamburger Altbau treffen Menschen aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten, und doch entsteht zwischen ihnen etwas, das sich wie Familie anfühlt. Nicht durch Blutsverwandtschaft, sondern durch geteilte Räume, geteilte Geschichten und geteilte Verletzlichkeit.
Die Autorin zeichnet ihre Figuren mit großer Wärme und feinem Humor, ohne dabei die dunklen Töne zu scheuen. Gerade die melancholischen Momente – das Schweigen, die Einsamkeit, das Scheitern – lassen einen innehalten. Es ist ein Buch, das nicht laut ist, aber lange nachhallt. Die Traurigkeit, die es hinterlässt, ist keine hoffnungslose, sondern eine, die zum Nachdenken anregt: über das, was uns verbindet, und darüber, wie fragile Nähe entstehen kann, wenn man sie zulässt.
Bogdan zeigt, dass Familie nicht immer das ist, was auf dem Papier steht. Sie ist das, was entsteht, wenn Menschen sich gegenseitig Raum geben – zum Leben, zum Lieben, zum Scheitern. Wohnverwandtschaften ist ein Plädoyer für Wahlverwandtschaften, für das Miteinander in einer Welt, die oft auf Trennung und Abgrenzung setzt.