Es ist der erste Kriminalroman, den ich von Petra Ivanov gelesen habe. Obwohl es sich bereits um den zehnten Band der Reihe handelt, konnte ich der Handlung problemlos folgen, ohne die vorherigen Bände zu kennen.
Mato alias Cavalli arbeitet als verdeckter Ermittler und schleust sich in eine Sekte – die sogenannte Anastasia-Bewegung – ein. Doch je länger er seine Rolle spielt, desto mehr verliert er sich selbst darin. Das hat mich an Lesley Jamisons Buch Empathie erinnert, in dem die Autorin beschreibt, wie sie als Versuchsperson für angehende Ärztinnen und Ärzte Symptome vortäuschen musste. Ihre Erkenntnis: Auch gespielter Schmerz kann sich echt anfühlen. So ähnlich verschwimmen bei Cavalli die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit.
Petra Ivanov baut die Geschichte klug auf. Zwischen den Kapiteln erscheinen Einschübe eines Journalisten, der eine Reportage über die Anastasia-Bewegung schreibt. Diese Passagen schaffen Distanz zur eigentlichen Handlung und eröffnen gleichzeitig neue Perspektiven – ein gelungener erzählerischer Kniff.
Beim Lesen habe ich immer wieder über mögliche Täterinnen und Täter spekuliert. Fragen wie „Wer manipuliert wen?“ oder „Wer spielt wem etwas vor?“ haben mich bis zum Ende beschäftigt.
Auf einer Metaebene hat mich die Geschichte auch zum Nachdenken gebracht: Wie wirkt sich eine geschlossene Gemeinschaft wie die Anastasia-Bewegung auf Denken und Handeln ihrer Mitglieder aus? Und ganz allgemein – wie stark prägen auch in einer offenen, demokratischen Gesellschaft Strukturen und Regeln unser Verhalten? Diese Fragen hallen über den eigentlichen Kriminalfall hinaus nach.
Ich habe das Buch im Rahmen von Bookcircle gelesen. Es in Etappen lesen zu müssen, fiel mir schwer – am liebsten hätte ich es in einem Rutsch verschlungen. Ein fesselnder und vielschichtiger Krimi!