Der Einstieg in den Roman hat mich sofort gefesselt. Die bildhafte und intensive Sprache sorgt dafür, dass man sehr schnell in die Geschichte hineingezogen wird. Auch der Lesefluss ist angenehm, sodass ich problemlos dranbleiben konnte. Besonders positiv überrascht hat mich der Umgang mit der Trans-Thematik. Sie wird sensibel und aufklärend behandelt ohne dabei belehrend zu wirken. Auch die gendersensible Sprache fügt sich unaufdringlich ein und hat meinen Lesefluss in keiner Weise gestört.
Im weiteren Verlauf werden nach und nach die Hintergründe von Tyras Selbstmord sichtbar. Man bekommt ein Gefühl dafür, welche Belastungen und inneren Kämpfe sie durchstehen musste. Gerade im Hinblick auf Social Media fand ich die Darstellung bedrückend und gleichzeitig war ich froh, selbst nicht in dieser digitalen Öffentlichkeit aufgewachsen zu sein.
Die Figuren sind facettenreich gezeichnet: Herr Wagner wirkt als Klassenlehrer wie ein Scheusal, und ich habe mir gewünscht, dass er seine gerechte Strafe erhält. Hamza ist eine ambivalente Figur – sein Verhalten ist nicht zu entschuldigen, doch die Schilderung seiner Erziehung macht ihn nachvollziehbarer und zeigt ihn ebenfalls als Opfer seiner Umstände.
Für mich ist Mainblüte kein klassischer Kriminalroman, da die Hauptfigur nicht durch ein Verbrechen, sondern durch Suizid stirbt. Dennoch überzeugt das Buch durch seine eindringliche Sprache, die psychologische Tiefe und die gesellschaftlich relevanten Themen.
Kritisch anmerken möchte ich lediglich, dass offen bleibt, ob es für Tyras Mobber jemals Konsequenzen geben wird. Hier hätte ich mir mehr Klarheit und Auflösung gewünscht.
Trotzdem bleibt mein Gesamteindruck sehr positiv: Mainblüte ist ein intensives, nachdenklich machendes Buch, das wichtige Themen aufgreift und lange nachhallt.