Dieses autobiographische Werk erzählt die erschütternde Geschichte einer Kindheit in Armut und Verwahrlosung, mitten im scheinbaren Wohlstand des Wirtschaftswunders Deutschland in den späten 1950er- und 60er-Jahren. Von der ersten Seite an zieht es den Leser hinein. Die Sprache ist klar und eindringlich und macht sofort deutlich, wie hoffnungslos und lieblos die Umstände waren, in denen die Autorin und ihre Zwillingsschwester aufwuchsen. Es ist kaum vorstellbar, dass Kinder in einem solchen Umfeld überleben konnten. Gerade deshalb berührt es umso mehr, wie die beiden Mädchen sich mit Mut, Fantasie und innerer Stärke einen eigenen Halt schufen und sich letztlich aus diesen schweren Verhältnissen befreien konnten.
Das Buch ist weit mehr als ein persönlicher Erfahrungsbericht. Es ist ein wichtiges Zeitzeugnis, das zeigt, wie unterschiedlich das Leben im Nachkriegsdeutschland war und wie gross die Spannungen zwischen äusserem Wohlstand und innerer Not sein konnten. An manchen Stellen klingt der Bericht nach Selbstmitleid, doch gerade die schonungslose Ehrlichkeit und Direktheit machen den besonderen Wert dieser Erinnerung aus. Die Lektüre bleibt bewegend und verstörend zugleich.
Am Ende hinterlässt das Buch ein starkes Gefühl der Betroffenheit und des Respekts. Es macht deutlich, wie schwer das Leben für manche Kinder damals war und wie viel Kraft es braucht, sich aus solchen Umständen zu befreien. Ein Buch, das erschüttert, nachdenklich macht und das man unbedingt lesen sollte, wenn man verstehen will, wie nah Hoffnung und Verzweiflung beieinanderliegen können.