Ich bin Gideon ist ein Science Fiction Buch über schwertkämpfende, lesbische Nekromant*innen im Weltall.
Die Hauptfigur Gideon ist chaotisch, rebellisch und oftmals planlos. Gedanken macht sie sich nicht immer. Harrow, die als zweite Hauptfigur bezeichnet werden kann, hingegen denkt immer mit und ist allen anderen tendenziell zwei Schritte voraus bis auch sie an ihre Grenzen stösst und merkt, dass sie nicht jedes Problem alleine lösen kann. Gegenseitig machen sie einander das Leben zur Hölle, haben es schon immer getan, und plötzlich sind sie gezwungen zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig wird viel angedeutet, was auf eine möglicherweise romantische Beziehung hinweist. Gideo fand ich zudem richtig lustig und allgemein sympatisch. Mit Harrow musste ich erst warm werden (was, denke ich, so intendiert ist), da sie als Figur lange sehr abstrakt und unnahbar ist.
Geheimisse, Verrat, Schwertkämpfe. Nach einem langsamen Start nimmt die Geschichte an Tempo zu. So einige Wendungen in der Handlung kamen überraschend, was zu einigen was-geschieht-hier-gerade-Momenten geführt hat. In vielerlei Hinsicht hat mich das Buch von den Socken gehauen.
Tasmyn Muirs Schreibstil ist etwas besonderes. Oftmals werden Dinge nicht erklärt sondern erschliessen sich mit der Zeit aus dem Kontext, was zu Verwirrung führen kann. Ausserdem sind die Beschreibungen in dem Buch viele, lange und detailliert, wodurch Passagen in die Länge gezogen werden. Ich weiss, dass das vielen nicht gefällt, mir hat es allerdings sehr gut gefallen. Lange Beschreibungen und langsam vorangehende Bücher habe ich in letzter Zeit sehr zu schätzen gelernt, denn sowas zu schreiben und gleichzeitig Lesende dazu zu bringen nicht aufzugeben, sondern weiter zu lesen ist nicht einfach.
Ich bin Gideon ist keine einfache Lektüre, lohnt sich allerdings trotzdem sehr. Ich musste Gideon zum richtigen Zeitpunkt lesen, damit ich mir genug Zeit dafür nehmen konnte und nicht zusätzlich noch anspruchsvolle akademische Texte oder ähnliches lesen musste.
Mit 600 Seiten ist Gideon definitiv kein kurzes Buch. Wenn du also gerne lange und komplexe Bücher liest oder du Serien wie Warrior Nun oder Bücher wie Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten oder Tagebuch eines Killerbots liebst, könnte dir auch Gideon gefallen.
Übrigens ist Gideon das erste von vier Büchern (Band vier erscheint irgendwann noch), wobei Band eins und zwei ins Deutsche übersetzt wurden. Leider sieht es aktuell so aus, als würde es von Band drei und vier keine Übersetzungen mehr geben.