In Tel Aviv kommt es zu einem tödlichen Unfall, ein Teenager wird von einem herabfallenden Hammer getroffen. Für die Passanten steht sofort fest: Der arabische Arbeiter, der auf Naomis Balkon herumwerkelte, ist schuld. Nur Naomi weiss, dass ihr kleiner Sohn Uri den Hammer fallen liess, als der Arbeiter gerade auf der Toilette war. Wie erstarrt lässt sie zu, dass der Unschuldige abgeführt wird. Als kurz danach ihr Mann Juval herbei eilt, erschrocken über die Nachricht von einem “Terroranschlag”, schweig sie noch immer. Doch die Ereignisse überschlagen sich, der Sohn des Arbeiters trifft ein, will ihm sein Mittagessen bringen. Die vor Naomis Haus noch immer aufgeregt debattierenden Leute stürzen sich umgehend auf ihn, doch Juval wirft sich dazwischen und kann den Jungen gerade noch vor dem wütenden Mob retten. Anschliessend fährt er ihn, zusammen mit Naomi und Uri, in sein arabisches Dorf zurück. Es ist schon dunkel, sie fühlen sich unwohl, werden von der wegen der Verhaftung besorgten Familie jedoch gastfreundlich bewirtet.
Keine Frage, Gundar-Goshen versteht es zu erzählen, das erste Drittel ist fesselnd geschrieben und macht neugierig aufs weitere Geschehen. Doch dann erfolgen ein Zeitsprung und ein Ortswechsel, und eine ganze Reihe weiterer Personen taucht auf. Sie alle haben zwar irgendwie mit Naomi, Juval und Uri zu tun, nur wenig bis gar nichts jedoch mit der hochdramatischen Episode aus dem ersten Teil. Eine Zeitlang erhöht dies noch die Spannung darauf, wie die Autorin am Ende alle Erzählstränge zusammenfügen würde. Nur, genau das gelingt ihr leider nicht ganz. Die zweifellos gut erzählten Episoden bleiben eher aneinandergereihte, voneinander unabhängige Ereignisse, die am Ende jedoch nicht, wie Puzzleteile, ein Gesamtbild ergeben. Trotz der anfänglichen Begeisterung habe ich deshalb nur drei Sterne vergeben können. Das soll aber niemanden, der sich für dieses Buch interessiert, davon abhalten, es zu lesen und sich sein eigenes Urteil zu bilden.