Stell dir vor, du könntest noch einmal mit einem geliebten Menschen sprechen, den du verloren hast. Auch wenn es nur für einen kurzen Moment wäre. Im Restaurant Chibi’s Kitchen soll genau das möglich sein. Die trauernde Kotoko, die vor Kurzem ihren Bruder verloren hat, begibt sich in die Präfektur Chiba, um dort das Gericht von damals zu bestellen, in der Hoffnung, ihm noch einmal ganz nahe zu sein.
Ich muss ehrlich sagen: Dieses Buch hat mich nicht komplett umgehauen. Die Geschichte liest sich flüssig und angenehm und trägt den typisch japanischen cozy feelgood-Ton in sich. Es gibt viele warmherzige Szenen, die mich teilweise tief berührt und sogar zu Tränen gerührt haben.
Und doch liegt über allem eine spürbare Schwere. Das Thema Tod und Verlust durchzieht das Buch wie ein Nebelschleier. So schön viele kleine Momente auch waren, insgesamt war es mir emotional fast zu traurig.
Was ich jedoch immer sehr mag: das Eintauchen in die japanische Kultur. Auch hier gelingt das wieder wunderbar. Japanische Begriffe tauchen auf, werden erklärt und verleihen der Geschichte Tiefe und Authentizität. Besonders schön fand ich zudem die Rezepte am Ende jedes Kapitels, zwei davon möchte ich auf jeden Fall nachkochen.
Die Figuren sind liebevoll gezeichnet und sympathisch. Ich habe sie schnell in mein Herz geschlossen, konnte mich gut mit ihnen identifizieren und habe sie auf ihrem Weg gerne begleitet.
Wer auf der Suche nach einer leichten, unbeschwerten Geschichte ist, wird hier vielleicht nicht ganz das Richtige finden. Das Restaurant am Rande der Zeit ist ein ruhiges, emotionales Buch, das sich mit Verlust auseinandersetzt, dabei aber stets einen versöhnlichen Ton anschlägt.