Liebevoll, einfühlsam und mit viel Humor werden historische Fakten und wichtige Themen wie Generationenkonflikte, Familientraumata, Familiengeschichte, Zugehörigkeit, Armut und Abhängigkeit anhand fiktiver Biografien behandelt. Der Erzählstil ist wunderbar und zugleich stellenweise herausfordernd, da die Geschichte nicht chronologisch erzählt wird. Die zahlreichen Zeitsprünge und die wechselnden Perspektiven, in denen auch andere Figuren neben der Hauptfigur zu Wort kommen, machen dieses Buch besonders – gleichzeitig können sie den Lesefluss mitunter ins Stolpern bringen.
Es ist eine liebevoll erzählte Familiengeschichte, die große historische Zusammenhänge greifbar macht. Auch wenn die Figuren fiktiv sind und manche historischen Fakten zugunsten der Erzählung leicht angepasst wurden, verleiht dieses Buch vielen namenlosen Schicksalen ein Gesicht.
Für geschichtsinteressierte Leserinnen und Leser gibt es am Ende eine hilfreiche Übersicht, in der erklärt wird, an welchen Stellen von den historischen Fakten abgewichen wurde und in welchem Ausmaß. Besonders berührt hat mich – neben der einfühlsamen Erzählweise – der feine Humor.
Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die auf den Spuren ihrer armenischen Großmutter unterwegs ist – einer Frau, die den Völkermord überlebt hat. Es geht um Armut, Hilflosigkeit, Zugehörigkeit und die armenische Geschichte – alles Themen, die mit großer Sorgfalt behandelt werden. Gerade deshalb ist der Humor in diesem Buch so besonders berührend: Er macht die fiktive Hauptfigur lebendig und greifbar. Man glaubt, sie wirklich kennenzulernen.
Wie im echten Leben wechseln sich bewegende Momente, die tiefes Mitgefühl wecken, mit Szenen ab, die einen herzlich zum Lachen bringen. Man lebt mit den Figuren mit und taucht tief in ihre Gefühlswelt ein. Alle Emotionen werden spürbar – Trauer, Angst, Hilflosigkeit, Hoffnung, Enttäuschung und Mut – immer wieder verbunden mit einem Lächeln oder Schmunzeln.
Das Buch liest sich eher wie eine Biografie als wie ein klassischer Roman. Und obwohl man weiß, dass Lilit, Lina und Maral nicht real sind, ist man dankbar, sie kennengelernt zu haben. Das Buch wird zu einer berührenden Begegnung, die lange nachhallt.
Wie die Knoten in einem Teppich fügen sich Satz für Satz zu einem großen Ganzen zusammen – und was anfangs wie ein Zufall erscheint, offenbart am Ende tiefe Verbundenheit.