Die Brüder Karl und Gerhard können den Nazis so gar nichts abgewinnen und doch landen beide Ende der 1930er-Jahre bei der SS. Der eine an der Front, der andere in der Administration für Judentransporte.
Wintermänner schildert die Antwort auf die Frage, die viele von uns sich sicher schon gestellt haben: Wie konnte es damals soweit kommen, dass unbescholtene Bürger in die Nazi-Maschinerie gerieten. Wintermänner liefert einige Antworten dazu. Der Autor schreibt inhaltlich ungeschönt, was nicht immer ganz einfach zu verdauen ist. Aber genau dieses “den Finger in die Wunde legen” macht dieses Buch aus und vermittelt einen authentischen Eindruck darüber, wie es damals soweit kommen konnte - ein Steilpass dazu, es nicht mehr passieren zu lassen.
Die beiden Protagonisten durchleben ihre jeweils eigenen Erzählstränge, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch sind die Gemeinsamkeiten zwischen den Zeilen ersichtlich. Der Autor hat einige Jahre in die Recherche für dieses Buch investiert und das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Historisch akkurat und psychologisch nachvollziehbar erzählt er die Geschichte der beiden Brüder, wie sie so zu tausenden passiert ist.
Wintermänner ist ein eindrückliches Buch, das nachhallt, auch wenn die letzte Seite gelesen ist. Sehr nah an der Realität ist es nicht immer ganz einfach, die Szenerie zu ertragen, macht das Ganze aber gleichzeitig auch authentisch und glaubhaft.