Martha Ballard ist Hebamme und Heilerin in einem Dorf in Maine Ende des 18. Jahrhundert. Sie wird zur Begutachtung einer Leiche gerufen, stellt fest, dass der Mann gewaltsam getötet wurde. Wie hängt das zusammen mit einer Vergewaltigung Monate zuvor?
Martha geht der Sache auf den Grund. Hilfreich sind ihre Tagebucheinträge, aber auch ihr Halt in der Dorfgemeinschaft. Dennoch kämpft sie gegen Vorurteile gegen Frauen und gegen jemanden, der kein Interesse hat, als Vergewaltiger zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Die Erzählung erfolgt aus der Sicht Marthas, wobei gelegentliche Rückblenden ihre eigene Vergangenheit schildern. Selbst Mutter von sechs Kindern, drei weitere hat sie verloren, und eingebettet in einer glücklichen Ehe mit Ephraim, sieht sie viele Ungerechtigkeiten, de gerade jungen Frauen geschehen. Und die sich eben jene auch gern gegenseitig zukommen lassen. Ein uneheliches Kind, Vater unbekannt, führte zum vollständigen gesellschaftlichen Abstieg. Martha wiederum verurteilt nicht, sie unterstützt.
Gerade diese Ungerechtigkeiten machen einen rasend. Willkür und Ausgeliefertsein, die Autorin beschönigt es nicht. Martha Ballard ist keine fiktive Figur, ihre Tagebuchaufzeichnungen halfen, den Roman entstehen zu lassen. Wobei es auch genau das ist: Ein Roman, inspiriert von einer besonderen Frau ihrer Zeit.
Sprachlich gut umgesetzt und kurzweilig zu lesen, lässt sich der lange Winter 1789/1790 wohlig auf dem Lesesessel erleben.