Ich hab gerade scheinbar ein Faible für Bücher, die sich mit dem Atem/Atmen beschäftigen. Nach «Breath» von James Nestor und «Die Wim Hof Methode» nun also «Atmen – Der Schlüssel zur erfolgreichen und gesunden Führung». Christoph Glaser arbeitet seit über 20 Jahren als Coach für Unternehmen und Führungskräfte und konzentriert sich dabei scheinbar vor allem auf regelmässige Atemübungen und Achtsamkeitsübungen. In seinem in viele Unterkapitel gegliederten Buch verbindet er seine Erkenntnisse mit Beispielen aus der Praxis sowie Studien zum Thema. Jedes Kapitel beinhaltet in der Regel eine praktische Übung, Merksätze und andere in Fenstern hervorgehobene Informationen. Die Kapitel schliessen je mit Leitsätzen zur Reflektion ab. Das letzte Kapitel beschreibt die 12-Minuten-Technik dann noch im Detail und gibt auch Tipps, wie diese am erfolgreichsten als neue Gewohnheit etabliert werden kann. Im Anhang des Buches finden sich die einzelnen Atemübungen nochmal kurz beschrieben im Überblick, gegliedert nach längeren Übungen und solchen, die sich auch in den Berufsalltag integrieren lassen, sowie weitere Tipps und Tricks zur Reduktion von Stress und zur Fokussierung.
Glaser hat als Jugendlicher von einer Fussballkarriere geträumt und später zum Yoga gefunden. Beide Einflüsse sind im Buch deutlich spürbar. Der Fussball in Form von Analogien und weiteren Stimmen aus dem Sport, vom Yoga stammen der Grossteil der vorgestellten Atem-, Meditations- und Achtsamkeitstechniken. Die Erkenntnisse sind (vor allem nach meinen vorherigen Lektüren) nicht neu, aber ich schätze seinen Fokus auf das Berufsleben. Er betrachtet, wie stark sich unser Berufsleben in den letzten Jahren geändert hat, welche Qualitäten dort nun geschätzt werden und vermittelt, wie wir diese trotz steigender Belastungen leben können – nicht nur als Führungskräfte. Mit seinem Buch hat er nicht vor, das Berufsleben zu kritisieren oder umzugestalten. Sein Fokus liegt rein auf unserem Umgang mit Druck, Stress und Veränderungen.
Der Schreibstil ist gut verständlich. Er sagt anfangs selbst, dass das Buch nicht in der vorgegebenen Reihenfolge gelesen werden muss – ich nehme an, er hat es selber auch nicht so geschrieben. Das ist dem Text gelegentlich in Form von Variationen anzumerken. Mir hätte der Text teilweise präziser formuliert sein können, mit etwas weniger Bildern (bspw. in den Titeln und Untertiteln), damit ich mich besser zurechtfinde. Vielleicht fehlte mir aber auch nur der Fokus ;-)
«Atmen» ist sicher nicht als Bibel für den Arbeitsalltag zu verstehen, aber ich für mich nehme nochmal viele gute Tipps aus der Lektüre mit, auf deren Umsetzung ich mich freue.