Nach einem Übergriff durch ihren Sportlehrer verliert Lilly ihre Sprache und landet als Au-pair in einem belgischen Internat, wo sie im Kontakt mit den afrikanischen Kindern und Schwestern langsam wieder Worte findet. Zuhause, hoch oben abgelegen in den Hügeln des Entlebuch schwankt sie zwischen dem, was sie allmählich in sich zu spüren beginnt und dem, was man von ihr erwartet. Im Sprachaufenthalt in London ist sie erst mal weit weg von zuhause, entdeckt neue Welten. Sie kämpft sich durchs Lehrerseminar, ringt mit sich und ihren ihr selbst noch unbekannten Zukunftsplänen, verliebt sich halbherzig und lebt auf beim Musizieren mit Studienkollegen. Allmählich findet sie den Mut, dem von ihr an die Wand angepinnten Spruch von Heinrich Böll zu folgen: «Ich muss den Weg gehen, den ich gehen muss».
Einfühlsam schildert Alice Schmid den schwierigen Weg einer jungen Frau, trotz einer traumatischen Erfahrung langsam aber sicher den eigenen Weg zu finden, ihren Fähigkeiten zu vertrauen und sich wo nötig von fremden Erwartungen abzugrenzen. Man spürt förmlich die Unsicherheit, das Suchen und gleichzeitig das enorme Potential der jungen Frau, die sich schliesslich getraut, definitiv aus der konservativ-katholischen Enge auszubrechen und ihren Weg zu gehen. Eine tiefsinnige, ermutigendes Coming of Age Geschichte.