Der zweite Band der “4-Elemente”-Serie von John Boyne steht dem ersten Band “Water” in nichts nach. Der 22-jährige Evan, der Hals über Kopf aus seiner irischen Heimat geflohen ist, um sein Leben in England selbst in die Hand zu nehmen wird vom Leben nicht verwöhnt. Er ist erfolgreicher Fussballer, obwohl er diesen Sport von Herzen hasst (er tut es seinem herrischen Vater zuliebe), er ist schwul, ständig in heterosexuelle Männer verliebt, die das überhaupt nicht lustig finden, er verkehrt in dubiosen Kreisen und ist zusammen mit seinem Fussballkollegen und besten Kumpel der Vergewaltigung an einer jungen Frau angeklagt, erntet deswegen einen Shitstorm nach dem anderen und blickt einer harten Gefängnisstrafe entgegen, wenn nicht noch ein Wunder passiert. Eine Warnung zuvor: dieses Buch ist nichts für schwache Nerven. Nicht weil es Mord und Totschlag beinhaltet, nein, es befasst sich mit dem zutiefst verdorbenen Menschsein. Lügende Politiker, Eltern, denen man niemals hätte erlauben sollen, eigene Kinder zu haben, Erpressung, Manipulation, Homophobie, sexuelle Uebergriffe ohne Ende undundund…Man kann durchaus einwenden, dass John Boyne etwas zu dick aufträgt, aber eigentlich spricht er die Wahrheit. Aus diesem Buch spricht eine tiefe Wut auf den Menschen im Allgemeinen. Eine Menschheit, die nur noch enttäuschen kann. Erneut eine glasklare Sprache, nicht zuviel oder zu wenig. Was nach der Lektüre zurückbleibt, ist Sprachlosigkeit. Und nichts anderes sonst…