Isabelle Bonnet’s 2. Fall - und man merkt, sie ist noch am Anfang - allzu leicht lässt sie sich vom ersten Eindruck und vor allem den damit verbundenen Vorurteilen leiten - mehr als ein Schuss geht ins Ofenrohr…
Der ganze Krimi ist zum grössten Teil ‘Recherche’ - ein Mord in Fragolin vor 10 Jahren, der unaufgeklärt blieb. Bonnet will den Täter dingfest machen, sammelt Mosaiksteinchen, um Mosaiksteinchen - glaubt sich mehrmals am Ziel, um dann an einem hieb- und stichfesten Alibi zu scheitern. Daneben läuft ein aktueller Fall, mit dem sie eigentlich nichts zu tun hat - doch dummerweise ist sie über die erste Leiche gestolpert… Und als wär’s noch nicht genug, halst ihr ihr Chef in Paris auch noch einen schillernden Typen auf, der im Zeugenschutzprogramm ist und unbedingt untertauchen und unentdeckt bleiben soll.
Bonnet kämpft an allen Fronten - ist nicht immer unzimperlich in ihren Verbalattacken und kommt doch nicht weiter. Gegen Ende gibt’s dann doch noch einen rechten Schuss Spannung, als in Fragolin alles drunter und drüber geht, sich die verschiedenen Fälle gleichsam in die Haare kommen - nicht bei allen kommt Bonnet rechtzeitig - doch letztendlich kann sie den fragilen Zeugen abgeben und ihren verjährten Fall lösen - und damit auch die aktuellen.
Als man sich am Ende des Krimis und der Lösung glaubt, kommt die unvorhergesehene Wende: im Wald von Fragolin, am Tatort hat Bonnet einen Geistesblitz - dreht das Rad zurück, rollt die Morde neu auf - und findet dann tatsächlich zur richtigen Lösung.
Ein ansprechender Krimi - aber nicht unbedingt der beste von Martin’s Reihe, die ich bis jetzt gelesen habe. Vor allem etwas verwunderlich, dass der Anwalt keine Ahnung haben soll von Verjährungsfrist und seine Reputation mit einem kaschierten Unfall bügeln will… Sonst aber solide gemacht.