Dieynaba, kurz Dieo, die ältere der zwei Schwestern, reibt sich in ihrer Rolle als Familienfrau, verarbeitet die schwierige Beziehung zur Mutter beim Therapeuten und organisiert mit ihrem Mann Simon das ganze Programm, das 3 Kinder so nach sich ziehen. Und da ist noch die Tätigkeit in einer Beratungsstelle, die sie auf Trab hält. Sie ist die pragmatische der zwei Schwestern, lebt in einem schicken Frankfurrter Stadthaus, das ohne den Job bei einer Blockchain-Bude kaum drin läge. Ihr Mann begleitet “Launchs”, beobachtet Markttrends, und leidet im Zwist zwischen beruflichem Überleben dank permanenter Erreichbarkeit und seinen Pflichten als moderner Vater, einfühlsamer Ehemann und Vermittler zwischen den zwei Schwestern. Die jüngere Schwester, Zazie, ist die dauerempörte, die gerechtigkeitsfanatische und “woke” Aktivistin, die nur allzu gerne das konventionelle Leben ihrer älteren Schwester und die Ungerechtigkeit der verteilten Lasten innerhalb dieser Ehe thematisiert. Sie lebt in einer lockeren Beziehung mit Max, einem Schreiner, der sie vergöttert im weniger schicken Offenbach. Die Autorin packt viele hochpolitische Themen raffiniert in einen heiter erzählten Familienplot mit hoher Therapeutendichte. Sie arbeitet sich an strukturellem Rassismus ab, weil der Vater der beiden Senegalese ist, sie hinterfragt die Therapeutenphrasen, sie thematisiert das Verhalten älterer weisser Männer und hinterfragt clever gesellschaftliche Zuweisungen. Das gelingt ihr herausragend, ohne Mahnfinger, mit witzigen Dialogen und gut gezeichneten Protagonisten. Über allem thront die Frage der Identität. Als der Nietzsche übersetzende Vater stirbt, und die Schwestern zur Beisetzung nach Senegal fahren, werden sie mit völlig anderen Rollenverständnissen konfrontiert. Und es kündigt sich eine Veränderung in Zazies Leben an, die einige Gewissheiten über den Haufen wirft. Das Buch liest sich trotz vieler heikler Themen süffig und fordert das Publikum auf, Gewissheiten zu hinterfragen.