Eine Familiengeschichte, ganz anders erzählt als sonst. “Roman in vier Erzählungen” ist der Untertitel von Iris Wolffs drittem Buch. Darin begleitet sie vier Figuren aus vier Generationen des 20. Jahrhunderts jeweils einige Tage lang. Diese vier Personen sind natürlich miteinander verwoben, auch wenn sich einige von ihnen nie begegnen. “Es gibt Dinge, die zu uns gehören, ohne dass wir wüssten, woher sie kommen” schreibt der Verlag in der Ankündigung, und ja: es ist eine beglückende Leser-Perspektive, wenn man Geheimnisse erahnt, denen die Protagonisten nie auf den Grund kommen werden, weil sie uns, den Leserinnen und Lesern das Gefühl fürs grosse Ganze, für den Zusammenhang vermitteln. Die Sprache von Iris Wolff ist klar und leuchtend wie der Kiesel am Grund eines Bergbachs, sie führt einen ganz eng an ihre eigenwilligen und bemerkenswerten Protagonisten heran, mit denen ich gerne noch mehr Zeit verbracht hätte.
Das schmale Büchlein ist packend und poetisch, unterhaltsam und klug. Für mich einer der besten Romane der letzten Jahre: 160 Seiten pures Glück.