Clare Kendry und Irene Rodfield teilen sich zwar ihre Herkunft und damit eine gewisse Vergangenheit, doch die Freundinnen aus Kindertagen haben ganz unterschiedliche Wege eingeschlagen. Als sie sich Jahre später zufällig wieder begegnen, könnte sich ihre Gegenwart, ihr weiterer Lebensentwurf nicht noch mehr unterscheiden; obschon die beiden afroamerikanischen Frauen im New York der 1930er Jahre als “Weisse” durchgehen, haben sie nicht mehr viel gemeinsam. Clares Ehemann, der reiche, ‘weisse’ John, ist entgangen, dass seine Frau afroamerikanische Wurzeln hat, und stellt sich als Rassist heraus. Irene hingegen ist mit dem Schwarzen Brian verheiratet und gehört zur Schwarzen Elite Harlems an.
Brisant wird es, als sich die sehr attraktive Clare immer mehr Irenes Gesellschaft und den Weg in ihren Bekannten- und Freundeskreis sucht…
Diese Geschichte über Identität und Herkunft überrascht gegen Ende in Hitchcock-Manier zu einem bitterbös-witzigen ‘whodunit’ ohne dabei die Message ausser Acht zu lassen, dass das Thema Identität hochkomplex und sehr oft situativ bestimmt ist. Hochaktuell (vgl. Netflix-Verfilmung 2021).
Auf dieses Buch bin ich dank Brit Bennets Die verschwundene Hälfte gestossen. (Auch lesenswert.)