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E.T.A. Hoffmann
Das Fräulein von Scuderi, 1819 im Zyklus Die Serapionsbrüder erschienen, versetzt die Leser in das Paris Ludwigs XIV., wo eine Serie rätselhafter Juwelenmorde Hof und Bürgertum erschüttert. Die gealterte Dichterin Madeleine de Scudéri wird zur moralischen Ermittlerin, die zwischen Indizien, Geständnis und psychologischer Wahrheit vermittelt. Hoffmann verbindet kriminalistische Spannung mit romantischer Doppelbödigkeit, juristische Reflexion mit urbaner Nachtseite; darin gilt die Novelle zu Recht als frühes, oft erstes deutsches Beispiel der Kriminalliteratur. E. T. A. Hoffmann, Jurist, Komponist, Zeichner und Erzähler, kannte die Ambivalenz staatlicher Ordnung aus eigener Amtspraxis. Seine Erfahrungen mit Akten, Verhören und bürgerlichen Ängsten nähren die präzise Darstellung von Verdacht und Beweis. Zugleich prägten ihn romantische Kunstauffassung und Interesse am Unheimlichen: Verbrechen erscheint bei ihm nicht bloss als Tat, sondern als Symptom gestörter Wahrnehmung, Leidenschaft und sozialer Maskierung. Empfohlen sei diese Novelle allen, die Ursprung und Raffinesse des Kriminalgenres verstehen möchten. Sie bietet keine blosse Rätselmechanik, sondern eine kunstvolle Untersuchung von Gerechtigkeit, Mitleid und Erkenntnis.
Krimis & Thriller
E-artnow
Deutsch
44
2022-12-15
9788027349494
978-80-273-4949-4