Seit Jahrzehnten schon bin ich ein grosser Fan dieses englischen Romanciers, der eine ausserordentliche Sprachgewandtheit und augenzwinkerndes Formulieren perfekt beherrscht. Ein wahrer Lesegenuss, auf den man sich allerdings einlassen muss, sonst ist man bald überfordert. Der mittelalterliche Paul blickt zurück auf seine erste oder einzige wahre Liebe, die er mit zarten 19 Jahren im lokalen Tennisclub kennenlernen durfte. Was die Liebe etwas spezieller macht…Susan, so heisst die Dame, ist Ende vierzig, ist verheiratet, hat erwachsene Töchter und ist definitiv nicht auf den Mund gefallen. Das Umfeld, wie man sich ausmalen kann, reagiert etwas brüskiert, Pauls Mutter hat auch sehr wenig Freude daran, da Paul für sie immer noch der kleine Junge von früher ist. Eine Liebe zu einer reiferen Dame ist definitiv nicht das, was sie sich für ihren Sohnemann gewünscht hat. Dieses Buch ist eine Liebeschichte, aber auch eine leise Kritik an der damaligen Gesellschaft, die im Speckgürtel Londons etwas ausserhalb lebt und sich gemütlich langweilt, beim Tennis und Golf die Zeit totschlägt und sich dabei in völliger Spiessigkeit verliert. Paul führt seinen Eltern und den Leuten der Nachbarschaft ihre Borniertheit zwar vor Augen, aber niemand merkt was. Ein lesenswertes Buch, ein typischer Barnes, den man in ruhiger Stunde lesen sollte. Dann macht es noch viel mehr Spass….