Lea hat einen Mann, eine Tochter, lebt in der Luxussiedlung „Sancta Familia“ in Florida, hat Millionen von Followern auf Social Media, wo sie die traditionellen Werte einer Frau hochleben lässt – sie lebt ihren Traum, oder? Ihre Schwester Paula traut dem ganzen Idyll nicht, sie ist misstrauisch, insbesondere als sie Lea über längere Zeit nicht erreicht und sie auch nichts mehr gepostet hat! Sie fliegt aus Deutschland zu ihr, doch sie ist nicht da. Ihr Mann Matt sagt, sie sei in einem Retreat, dessen Namen ihm gerade entfallen war und wo sie telefonisch nicht erreichbar sei. Paula ist zutiefst beunruhigt – die scheinbare Perfektion der Siedlung ist nur vordergründig. Strenge Regeln sind zu befolgen. Ansonsten sind drastische Konsequenzen die Folge…
Erster Eindruck: Ein schlichtes Cover, das durch seine dunkle Farbgebung wirkt – gefällt mir.
Das Buch wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt; der Wechsel der Perspektive ist gut vermerkt.
Die Schwestern Paula und Lea haben ein kompliziertes Verhältnis, das sich über die Jahre und die Entfernung noch verschlechtert hat. Aber Paula ist und bleibt die grosse Schwester, die sich um Lea sorgt. Paulas Mann kann ihre Sorge nachvollziehen; sie fliegt nach Amerika und er bleibt zu Hause bei den Kindern. Die Ankunft in der Wohnsiedlung ist befremdlich: Sie kann nicht hereingelassen werden, da Besuche 24 Stunden vorher angekündigt und genehmigt werden müssen. Und für sie liege keine solche Genehmigung vor. Das fängt ja gut an! Paula kann den Pförtner überreden, ihren Schwager Matt anzurufen. Gesagt, getan, Paula darf rein. Aber wo ist Lea? Matt redet sich raus – er ist ein gewiefter Rhetoriker –, doch Paula beruhigt dies überhaupt nicht.
„Sancta Familia – Home as it should be.” Da lief bei mir schon ein Schauer über den Rücken, aber definitiv nicht aus Verzücken! Das Leben in einer Gated Community, einer bewachten und in sich abgeschlossenen Wohnanlage, bedeutet Sicherheit und Idylle. Oder doch eher Gefängnis und kollektives Wegschauen?
Vor ein paar Monaten habe ich bereits ein ausgezeichnetes Buch zum Thema Tradwives gelesen, dasjenige ein Roman, das vorliegende nun ein Thriller. Für mich war es das zweite Buch der Autorin, nach „Der dunkle Sommer“, das letztes Jahr zu meinen Highlights gehörte. Meine Erwartungen an das vorliegende Buch waren hoch. Und? Die Geschichte war ein regelrechter Pageturner mit unerwarteten Twists. Ein Blick hinter die Fassade einer ach so perfekten Welt: in Leas Küche, in die „Sancta Familia“. Dabei ist nichts perfekt, sondern das Gegenteil! Die Beweggründe der Autorin, dieses Buch zu schreiben, und die ergänzenden Informationen im Nachwort sind eindrücklich. Von mir gibt es 5 Sterne; dieses Buch gehört definitiv zu meinen Highlights des Jahres!