Der Club der Unbeugsamen brauchte bei mir einige Seiten, bis ich mich in der Geschichte zurechtgefunden hatte. Gerade der Einstieg fiel mir nicht leicht. Einige Szenen waren schwer zu ertragen und lösten bei mir regelmässig Unverständnis und Frustration aus. Gleichzeitig zeigt genau das, wie eindrücklich die Autorin gesellschaftliche Ungerechtigkeiten und die damaligen Machtverhältnisse schildert.
Besonders gefallen hat mir das Setting. Die Schauplätze wirken authentisch und lebendig, und man spürt, dass die Autorin ihre Geschichte in einer Region angesiedelt hat, die sie bestens kennt. Dadurch entsteht eine glaubwürdige Atmosphäre, die einen immer tiefer in die Handlung hineinzieht.
Zu den grossen Stärken des Romans gehören für mich die Figuren. Sie sind vielschichtig, entwickeln sich glaubwürdig weiter und bleiben selten eindimensional. Während mir Birdie von Anfang an mit ihrer Tatkraft und ihrem Optimismus ans Herz gewachsen ist, haben andere Charaktere bei mir zwiespältige Gefühle ausgelöst. Gerade diese unterschiedlichen Persönlichkeiten sorgen jedoch dafür, dass die Geschichte lebendig bleibt und zum Nachdenken anregt.
Nach einem eher gemächlichen Einstieg nimmt der Roman im zweiten Teil deutlich an Fahrt auf. Die Handlung wird spannender, und einige Szenen haben mich emotional stark berührt. Besonders eindrücklich fand ich, wie nüchtern und gleichzeitig erschütternd die Lebensrealität vieler Frauen dargestellt wird. Immer wieder wird deutlich, mit welchen gesellschaftlichen Zwängen und Ungerechtigkeiten sie konfrontiert waren und welche begrenzten Möglichkeiten ihnen offenstanden.
Im letzten Drittel konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Selten fiebere ich so sehr mit den Figuren mit. Besonders gefallen hat mir, dass man nochmals tiefere Einblicke in die verschiedenen Charaktere erhält und ihre Beweggründe dadurch besser nachvollziehen kann. Auch die historischen Themen sind gelungen in die Handlung eingebettet. Vor allem die Rolle der Frau hat mich immer wieder wütend und nachdenklich gemacht. Es ist erschreckend, dass Frauen noch vor nicht einmal hundert Jahren so hart dafür kämpfen mussten, als eigenständige Menschen wahrgenommen zu werden. Gleichzeitig wird einem bewusst, dass Gleichberechtigung auch heute noch nicht in allen Lebensbereichen selbstverständlich ist.
Trotz kleinerer Längen und eines eher holprigen Einstiegs hat mich Der Club der Unbeugsamen sehr berührt. Es ist ein Roman mit starken Figuren, bewegenden Schicksalen und wichtigen gesellschaftlichen Themen, der lange nachhallt und zum Nachdenken anregt. Genau das macht für mich ein gutes Buch aus. Deshalb kann ich den Roman trotz kleiner Schwächen wärmstens weiterempfehlen.