Ewige Jugend von Donna Leon beginnt mit einer alten Frage, die auch nach vielen Jahren keine Ruhe gibt. Die Contessa Lando-Contini bittet Brunetti, den tragischen Sturz ihrer Enkelin noch einmal zu untersuchen. War es wirklich ein Unfall oder verbirgt sich dahinter eine Wahrheit, die nie ans Licht gekommen ist?
Brunetti folgt den Spuren einer längst vergangenen Geschichte und nutzt dabei nicht nur seine Erfahrung und sein Einfühlungsvermögen, sondern auch die diskreten Fähigkeiten von Signorina Elettra. Gerade ihre Ermittlungen bewegen sich dabei immer wieder im moralischen Graubereich und lassen die beiden gefährlich nahe an die Grenzen des Erlaubten geraten.
Besonders gefallen hat mir, dass Donna Leon hier zwischen rechtlicher und moralischer Schuld unterscheidet. Brunetti geht es nicht nur darum, was sich vor Gericht beweisen lässt. Er sucht nach Verantwortung und danach, ob Gerechtigkeit auch dann noch möglich ist, wenn das Gesetz längst an seine Grenzen gestossen ist. Gerade diese Spannung macht den Fall so nachdenklich.
Ewige Jugend ist ein nachdenklicher Brunetti-Krimi über Erinnerung, Verjährung und die Frage, ob moralische Schuld jemals verjähren kann – auch wenn das Gesetz längst keine Antwort mehr darauf hat.