Für mich war Mr. Fox leider keine einfache Lektüre. Die Ausgangslage ist grundsätzlich spannend: Ein beliebter Lehrer an einer Privatschule verschwindet, und nach und nach wird deutlich, dass er nicht der Mensch war, für den ihn viele gehalten haben. Auch die Themen, die Joyce Carol Oates aufgreift, sind wichtig und bedrückend. Besonders interessant fand ich, wie stark sich das Buch mit Macht, Abhängigkeit, Manipulation und Schweigen auseinandersetzt.
Stellenweise gelingt es Oates sehr gut, eine düstere und beklemmende Atmosphäre zu erzeugen. Mit ihrem Schreibstil schafft sie es, tief in die Gedankenwelt ihrer Figuren einzutauchen. Dadurch hatte ich teilweise wirklich das Gefühl, direkt in den Köpfen der Charaktere zu sitzen und ihre widersprüchlichen, wirren und unangenehmen Gedanken mitzulesen. Diese Nähe kann spannend sein, macht das Lesen aber auch anstrengend.
Trotzdem hatte ich insgesamt grosse Mühe mit dem Buch. Das Leseerlebnis war für mich oft langatmig, wiederholend und ermüdend. Mehrfach hatte ich das Gefühl, dass Szenen und Gedankengänge sehr ausführlich ausgebreitet werden, ohne dass die Handlung dadurch wirklich vorankommt. Auch die wiederholte Darstellung einzelner Situationen aus verschiedenen Perspektiven hat meinen Lesefluss eher gebremst als bereichert. Am Ende blieb ich etwas unzufrieden zurück. Ich hätte mir gewünscht, dass mehr offene Fragen beantwortet und einzelne Schicksale klarer aufgeklärt werden.
Insgesamt hat mich Mr. Fox zwar beschäftigt, aber nicht wirklich überzeugt. Ohne die Leserunde hätte ich wahrscheinlich Mühe gehabt, dranzubleiben.