Hinweis: Das Buch behandelt sexualisierte Gewalt und deren langfristige psychische Folgen.
Dieses Buch hat eine unglaubliche Wucht. Nicht, weil die Tat selbst im Mittelpunkt steht, sondern weil Heidi Furre zeigt, was danach bleibt. Wie ein Trauma Jahre später noch den Blick auf die Welt, den eigenen Körper und den Alltag verändert.
Der Roman ist in drei Teile aufgebaut und in kurzen, oft springenden Abschnitten erzählt. Man ist die ganze Zeit in Livs Kopf. Ihre Gedanken wirken manchmal widersprüchlich, manchmal oberflächlich, dann wieder unglaublich tief. Gerade das hat mich überzeugt. Liv ist keine „perfekte“ Opferfigur und keine Heldin. Sie ist ein Mensch mit Ängsten, Widersprüchen und einem Blick auf die Welt, der durch das Erlebte geprägt ist.
Besonders beeindruckt hat mich, wie eng bei ihr Körper, Schönheit, Alter und Kontrolle miteinander verbunden sind. Anfangs konnte ich vieles davon kaum nachvollziehen. Je weiter ich las, desto mehr verstand ich, dass all diese Gedanken mit dem Trauma zusammenhängen. Der Körper vergisst eben nicht.
Auch die wiederkehrenden Bezüge zur Künstlerin Niki de Saint Phalle haben mir sehr gefallen. Mit dem zweiten Teil bin ich allerdings nicht ganz warm geworden. Er heißt zwar „Der Vorfall“, hat mir aber keine neuen Einsichten gegeben. Für mich waren der erste und der dritte Teil deutlich stärker.
Dieses Buch hat mich fast auf jeder Seite zum Nachdenken gebracht. Nicht, weil es einfache Antworten gibt, sondern weil es Fragen stellt, die einen auch nach dem Lesen nicht mehr loslassen. Für mich ein unglaublich wichtiges und bewegendes Buch.
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